Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Die Division Jellačić im Mai 1809. Quellenkritische Studie von Hauptmann des Generalstabskorps Wilhelm Wachtel

182 Wachtel. Stunde Villach erreicht und wird nicht säumen, nach allen Eichtungen, folglich auch gegen Spittal und den Katscherg, dann gegen Judenburg vorzusenden1).” Die durch diese Mitteilung etwa hervorgerufene Be­sorgnis Jellacic mußte durch die Bemerkung des Erz­herzogs vermindert werden: „ich habe von Klagenfurt eine Abteilung nach St. Veit* 2) abgesendet, um jede Bewegung des Feindes auf dieser Straße zu beobachten, diese wird Sie immer von allem benachrichtigen.” Tatsächlich war aber von der innerösterreichischen Armee nichts an der über St. Veit gegen Leoben führenden Straße! Besonders betroffen3) war Jellacic wegen der Forderung des Erzherzogs bezüglich der von Österreich nach Steiermark führenden Pässe, „dieselben durch kleine Abteilungen jener Truppen, Landwehren und dann durch den dort befindlichen Landsturm beobachtet und besetzt zu lassen, und dieses um dem Gegner nicht zu frühe unseren Entschluß zu verraten, und um bei vielleicht nunmehr geschehenden glücklichen Schlag an der Donau im Besitze des Gebirges zu bleiben”4 5). Jellacic, der den ersten Eückzugsbefehl dahin auf- gefaßt hatte, mit allem den Anschluß an den Erzherzog zu suchen6), hatte nicht einen Mann stehen lassen. Da er nach dem neuen Befehl glauben mußte, in den Augen des Armee­kommandanten unrichtig gehandelt zu haben, trachtete er nun um so gründlicher dies gutzumachen. Der. Marsch am 22. wurde dadurch erschwert, daß die ausgetretene Enns die Straße an mehreren Stellen überflutete. *) Die Stilisierung des ganzen Befehles deutet jedoch nicht aui die Befürchtung einer Gefahr für das Gros der Division Jellacic, sondern nur auf eine Besorgnis für die im Ennstal zu belassenden Abteilungen. 2) Im Glantal. 3) Ettinghausens Selbstbiographie (Zwiedineck,St. Michael,26). 4) Diese Betonung des Besitzes des Gebirges läßt einen Zusam­menhang mit dem kaiserlichen Handschreiben vermuten, das Erzherzog Johann den Befehl zum Vorgehen gegen den Unterlauf des Inns er­teilte (im Wortlaut Zwiedineck, St. Michael, 37). Demnach wäre die fragliche Eintreffzeit dieses Handschreibens (ebenda, 7) am oder vor dem 19. Mai. 5) V ergl. Seite 176; J e 11 a c i c an Erzherzog Johann, Schladming, 21. Mai 1809, 3 Uhr 30 Min. nachts (im Wortlaut Anhang XXIII).

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