Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Erzherzog Johanns "Feldzugserzählung" 1809 (1909)

I. Kapitel (Vorgeschichte des Krieges)

43 Pustertal bestimmt. Die Feindseligkeiten müßten durch eine Vorrückung des bei Präwald aufgestellten Korps gegen die Isnitz beginnen; der Endzweck wäre, durch Demonstra­tionen den Feind zu bewegen, in Palma Besatzung zu werfen und eine Abteilung gegen die Isnitz zu detachieren. Das in Oberkärnten stehende Korps müßte zu ebendieser Zeit nach dem Pustertale vorbrechen und so weit Vorgehen als möglich, das Land in Aufstand bringen und dem von Seite Salzburgs im Inntale Vorrückenden über den Brenner die Hand bieten. Während dieser Bewegungen werde ich über den Predil und das Kanaltal mit dem Hauptkorps vor­brechen und den Feind aufsuchen; vermutlich werden beide Teile bei San Daniele Zusammenstößen; hier kommt es darauf an, den Gegner zu schlagen. Gelingt es, dann muß der Feind unaufgehalten bis an die Etsch verfolgt werden; von da läßt sich dann, sollte während dieser Zeit in Tirol derselbe be­trächtliche Streitkräfte von Deutschland aus gesendet haben, durch die Valsugana und das Etschtal dahin sich bewegen. Während der Vorrückung in der Ebene Italiens muß das Korps, welches bei der Isnitz stand, Palma berennen und belagern, damit es bald falle; da sie für Österreich mehr schädlich als nützlich ist, so wäre dann diese Festung gleich zu demolieren. Nach Einnahme dieses Platzes stößt das Korps zu dem Heere, oder kann zur Einschließung Venedigs benützt werdenJ). Die Operation nach Dalmatien wird General Stoichevich führen, sie ihm vorzuschreiben ist sehr schwer; daß er die Offensive ergreifen müsse, um eine bessere De­fensivlinie zu gewinnen und die Bewohner des Landes zu benützen, unterliegt keinem Zweifel. Istrien wird ohnedies, da es schwach besetzt ist, durch die Landwehr gereinigt werden. Weiter als bis an die Etsch die Operation zu be­stimmen, ist nicht möglich und wäre unnütz; indes bleibt es gewiß, daß das Wichtigste jetzt sei, den Feind aufzusuchen und ihn zu schlagen, ehe neue Kräfte zu Hilfe eilen können1 2).” 1) Hier steht noch, daß, wenn es dem Erzherzog gestattet würde, sich mit den Engländern ins Einvernehmen zu setzen, so könnten diese die Opera­tionen unterstützen und den Feind zu Detachierungen zwingen. 2) Begehrt der Erzherzog die Bestimmung der Zeit, wann die Feindselig­keiten beginnen sollen.

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