Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Erzherzog Johanns "Feldzugserzählung" 1809 (1909)

IV. Kapitel. Von dem Rückzuge von der Etsch bis zu der Ankunft bei Körmend vom 1. Mai bis 1. Juni

höchste zu stimmen. Allein dem Erzherzog drang sich der Gedanke auf, ob wohl dieses Versprochene gehalten werden könnte und würde. Noch waren die Ereignisse nicht ent­schieden, noch schwankte die Wage, und wenn die Schlacht bei Aspern zum Vorteile Österreichs eine Wagschale hatte sinken machen, so war dieses bereits durch das Zögern und die Unentschlossenheit, den Sieg zu benützen, verloren gegangen. Napoleons Tätigkeit und sein Reichtum an Auswegen und Mitteln, erlittene Unfälle schnell herzustellen, war bekannt; und die Kenntnis, wie Österreich stets ge­handelt und gedacht, daß erstes im Glück aufgeblasen, im Unglück ohne Standhaftigkeit war (so schildert es bereits Friedrich in seinen Schriften), bestimmten den Erzherzog, der nichts Gutes vorsah, diese Erklärung zu unterdrücken, um dadurch seinen Herrn im unglücklichen Falle durch nichts zu binden und dessen Wort und Ehre vor not­wendiger Verletzung zu schützen. Er begnügte sich nach Tirol bloß Nachrichten und Befehle zu senden und den Bewohnern Mut einzusprechen. Dieses wiederholte er bei einem ähnlichen Aufträge einige Zeit später. Allein dieses nützte nichts, denn es mochte wohl manche geben, die, verblendet durch ihre Leidenschaft und ihren Haß, keiner kalten Überlegung Platz ließen (so z. B. Staatsrat Bal- dacci, ich werde ihn später schildern), und wohl dachten, es sei nicht hinlänglich, durch den Erzherzog solche Auf­träge nach Tirol zu bringen. Es wurde daher das nämliche, gerade aus dem Hauptquartier Sr. Majestät, nach Tirol durch Boten gesendet; dieses erfuhr der Erzherzog drei Monate später, als er seinem Herrn das, was er getan, ent­deckte, aus seinem eigenen Munde. Es stand also am 31. der Erzherzog, vereinigt mit FML. Gyulai, zu Körmend, FML. Chasteler an der Möll- brücke im Anzuge nach Ungarn, der Banus zu Neustädtl, um seine Operationen zu beginnen. Die Insurrektion sammelte sich unter dem Palatin bei Raab, Tirol ruhig und fast ganz vom Feinde geräumt. Der Feind: Marmont bei Fiume, im Anzuge nach Steiermark, Rusea bei Villach gegen Cha­steler, Macdonald bei Graz den Erzherzog beobachtend, der Vizekönig im Zuge nach Neustadt, um zu Napoleon zu

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