Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Erzherzog Johanns "Feldzugserzählung" 1809 (1909)

IV. Kapitel. Von dem Rückzuge von der Etsch bis zu der Ankunft bei Körmend vom 1. Mai bis 1. Juni

96 war dieser Verlust durch die von allen Seiten herbeieilenden Verstärkungen nicht allein ersetzt, sondern er hatte eine bedeutende Überlegenheit, vorzüglich in Rücksicht der Reiterei, gewonnen; ohne Übertreibung belief sich seine Stärke, vereint mit der gegen das Etschtal und Tirol stehenden Abteilung des Generals Baraguey d’Hilliers und mit der 7000 Mann starken Besatzung von Venedig, nahe an die 60.000 Mann, unter diesen 6000 bis 7000 Reiter. Der am 29. angelangte Kurier, welcher die Nachricht der Un­fälle aus Deutschland brachte, hatte dem Erzherzog folgendes Schreiben von Seite Sr. Majestät aus Lambach vom 24. ge­bracht : Nach einer kurzen Beschreibung der erlittenen Niederlage wird bemerkt, daß die Hauptheere sich nach Böhmen gezogen haben, daß Hiller bei Neumarkt glücklich gefochten, aber daß er seine weiteren Unternehmungen ein­gestellt und ihn hinter den Inn beordert habe. „Die Unter­nehmungen in Italien so lange wie möglich nicht unter­brechen1). Die Unternehmung auf Italien, auf das Land, wo wir die meisten Verbindungen an geknüpft haben, wo der Berührungspunkt zwischen Sizilien, Sardinien und England ist, liegt mir (Sr. Majestät) außerordentlich am Herzen; ich sorge vor allem dafür, daß die tapferen Tiroler, welche sich so tätig gezeigt haben, nicht ohne Unterstützung bleiben. Hiller muß für die Verbindung sorgen. Sollte dieser den Inn zu verlassen gezwungen sein, so zieht er sich so lang­sam wie möglich an die Enns und besetzt sukzessive die Engpässe von Steiermark. Ich treffe Anstalten, um mich von der Lage des Korps des FML. Hiller genau zu über­zeugen* 2). Diese und die feindlichen Bewegungen gegen Ober­österreich3) können mich erst in stand setzen, Euer Liebden Ist sehr unbestimmt, wie lange daueite die Möglichkeit und war es ratsam, bei der kritischen Lage des Hauptheeres, bei dem Vordrängen des Feindes gegen die Erbstaaten, da man ohnedem schon so weit war. 2) Den Inn wollte man verteidigen und dann die Enns, die Engpässe der Steiermark besetzen und dies alles mit der Macht, die Hiller bei sich hatte; diese Anstalten wurden gemacht und man war von nichts unterrichtet, oder hatte unterlassen, Nachrichten einzuholen. Erst wollte man sich von der Lage überzeugen. s) Er wußte noch nicht, daß Napoleon gegen Oberösterreich anrücke; erst dann könne man den Erzherzog unterrichten. Wann erfuhr er dieses?

Next

/
Thumbnails
Contents