Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793

Briefe des FZM. Paul Freiherrn Kray de Krajova. 87 verweilen, bis sich die Nachrichten bestätigen oder die Umstände näher aufklären würden. Ich blieb 8 Tage draußen, nachdem ich dem FM. Graf Wallis und FZM. Graf Mit- trowsky diese Erklärung machte. Aus Kalafat schrieb ich dem Feldmarschall die bestätigende Nachricht, daß ein tür­kisches Korps aus Albanien im Anzug sei und daß ich in diesem Anbetracht meine Badekur aussetzen wolle. Allein man glaubte diesen Nachrichten nicht und antwortete mir, ich könne ohne Besorgnis ins Bad abgehen, welches ich auch gleich befolgte. Den 8. dieses langte ich in Orsova und hier an, wo der Lärm schon ernsthafter wurde und in ein paar Tagen vom Minister aus Sistovo ein Circulaire anlangte, daß der Sultan uns die Feindseligkeiten ankündige. Hierauf ließ man alles Militär marschieren und ist seitdem in mancher Verlegenheit. Zum Glück, daß das in Widdin angelangte feindliche Korps noch nichts gegen uns unternommen hat und wir dadurch Zeit gewannen, uns zusammenzuziehen und zu verstärken. Ich habe mich von hieraus FM. Wallis angetragen, bis zum Ausgang dieser feindlichen Bedrohung zu Felde zu dienen, allein er antwortete mir, daß es schwerlich zu einem offen­baren Krieg kommen werde *) und dann würde meine Anstellung bei zerrütteter Gesundheit von keiner Dauer sein. Er belobe meinen Diensteifer, erlaube mir aber nach vollendeter Badkur mich dahin zu verfügen, wo ich es anständig hielte und Sr. Majestät Entschluß abzuwarten. Da ich nun zur Deckung meiner Reputation alles mög­liche vorgebeugt und den Vorwürfen zuvorgekommen, als ob ich in der größten Gefahr den Dienst verlassen, vielmehr dazu meine letzten Kräfte angeboten, so ziehe ich vergnügt und ganz beruhigt aus dem Gedränge und wünsche jedem viel Glück und Ehre zur Kampagne. Ich gedenke in 3 Tagen nach Lugos oder Temesvár zu gehen, weilen hier alles ver­heert und nichts zu bekommen ist. Vielleicht erfolgt bald der Entschluß vom Hofkriegsrat. In Wien zweifelt man sehr, daß Se. Majestät meinem An­*) Nach langwierigen Verhandlungen wurde der Friede am 4. August 1791 endgültig abgeschlossen.

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