Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793

Briefe des FZM. Paul Freiherrn Kray de Krajova. 69 oblong aus, setzte meine Kavallerie auf beide Flügels und zog mit klingendem Spiel dem Feind gegen die Vorstädte entgegen. Der Feind, so mich von den jeweiligen Anhöhen ganz gut bemerkte, flüchtete gleich zurück überm Fluß, worauf ich mein Korps aufmarschiert stehen ließ und mit einem starben Kavalleriedetachement jenseits der Stadt den Feind rekognoszieren ging. Der aber wartete meiner nicht und sandte ich ihm kleine Patrouillen nach. Bei meinem Rückzug, wo mich die ganze hiesige Noblesse zu Pferd begleitete, wurde ich mit Jubelgeschrei und Lautung aller Glocken empfangen. Die Geistlichkeit wartete meiner an der Kathedralkirche in ihrem Kirchenornat und bat mich, ihrem Tedeum beizuwohnen. Zu dessen größerer Feierlichkeit und damit der Feind meine Artillerie merken könnte, ließ ich aus sechspfündigen Kanons 20 Schüsse machen, welches das arme hiesige Landvolk sehr beruhigte, den Feind aber in solche Angst brachte, daß er gleich in drei zerstreuten Haufen bis an die Donauufer, so noch 6 Meilen von hier sind, gegen Nikopoli, Orsova und Widdin flüchtete. Ich ließ auf alle Seiten, um den Alarm ihnen nachzutragen, starke Patrouillen folgen, um nun von dem ruhigen Besitz dieser Stadt an FM. Loudon nach Orsova und meinem Kommandanten General Fürst Hohenlohe, der bei Rimnic zur Vorrückung bereit stand, meinen Rapport abzustatten. Nach vier Tagen rückte mir endlich auch mein Korps­kommandant, General Staad er, nach und in zwei Tagen soll auch der Kommandierende über Rimnic mit dem ganzen Haupt­quartier anhero kommen1). Ob ich mit meiner Vorpost hier bleiben werde, ist mir noch unbekannt, vermutlich aber werde ich entweder weiter gegen Widdin vorrücken oder aber meine armen Grenzer auf ein paar Monate nach Haus in Sieben­bürgen zurückführen, welches mir das liebste wäre, weilen wir auf den peniblen Märschen ohne Zelte, sehr üblem Wetter und Mangel an allem Notwendigen, sehr große Fatigen aus­zustehen hatten. Wenn wir heuer Orsova, so in Anwesenheit des FM. Loudon bombardiert wird, nicht bekommen sollten, ’) Hohenlohe war am 6. November von Hermannstadt ab­gegangen, traf aber erst am 6. Dezember in Craiova ein.

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