Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793

48 Just. Orlath, 12. Juni 1787. Mit gestriger Post schreibt mir der Hanserl, daß laut Verordnung die Schulvakanzen erst den 16. Juli anfangen und den letzten August endigen sollen. Dieses wird also eine Änderung der Dispositionen veranlassen. Vor der letzten Schulprüfung darf er von Szeben nicht weggenommen werden, weil er über das letzte Examen ein Attest haben muß. Ich dächte daher, Hanserl erst mit halben August nach Wien abführen zu lassen. Nun werdet Ihr schon fleißig exerzieren und Euch zum Lager rechtein. Hier redet man vom Krieg, aber dem Aus­sehen nach müßte er mit einer entfernten Macht sein. Ich embrassiere Dich etc. und beharre unverändert Dein aufrichtigster Bruder Paul Kray, Obrist. Orlath, 10. August 1787. Liebster Bruder! Ich habe aus dem Schreiben vom 31. Juli mit vielem Vergnügen die glückliche Ankunft des Hanserl zu Dir vernommen und danke Dir für Deine dies- fallsige Sorgfalt. Es ist freilich etwas eigennützig die For­derung der PP. Piaristen, allein ich kann und will mich doch nicht mit ihnen wegen der halbjährigen Forderung in ein Disput einlassen, da ihre Sorgfalt für den Knaben doch in allem Anbetracht gut war und sie mir selben unbeschädigt und gesund aus ihrer Obhut übergaben. Mein Schwager Mihics schreibt mir zwar aus Pest, daß der Hanserl bei Gelegenheit des jetzt einfallenden Pester Jahrmarktes mit Wiener Kaufleuten bequemlich nach Wien gebracht werden könnte, jedoch ist mir die Gelegenheit mit Oberleutnant von Kreit viel lieber, weil er unterwegs besser für ihn sorgen und in loco dem Herrn General Be chard übergeben wird können. Ich glaube, er wird mit einem halben Gulden täglich für Hanserl auskommen. Expe­diere ihn so leicht als möglich und gib ihm 2 fl. auf Kleinig­keiten mit. Er soll sich vor vielem Obstessen unterwegs hüten, damit er nicht erkranke.

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