Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793

Briefe des FZM. Paul Freilierrn Kray de Krajova. 45 Orlath, 26. Jänner 1787. Liebster Bruder! Ich danke Dir für Deinen aufrichtigen Neujahrswunsch und wünsche Dir und Deinen lieben Ange­hörigen gleichfalls alles, was zu wahrem Vergnügen gerei­chen möge. Du hast sehr unrecht, über gewisse Bekannte und höhnische Bemerkungen beunruhigt zu sein. Standhaftig und mit Verachtung muh man derlei Schikanen ausweichen, ja solche zu ertragen wissen, weilen immer ein zahlender Tag kommt. Zeige als ob Du die Falschheit und Bosheit nicht bemerktest. Ich habe alle meine Exerzierkontraktionen bis Ende Juli zu beschließen festgesetzt, damit ich eine Tour nach Wien machen und zugleich Dich besuchen könnte. Vielleicht kann ich Eurem Pester Lager beiwohnen und sodann den Hanserl nach Wien abführen. Wo nicht, so mußt Du es nach dem Lager befolgen oder jemand Verläßlichen beigeben. Dem jungen Kray kann ich hier nicht forthelfen; den Mazur möcht’ ich gerne beim Bergwerk anstellen, weil er zum Militär gar zu tot und schläfrig, auch unansehnlich ist. Ich hoffe für ihn einen Dienst von monatlich 16 fl. und werde ihn künftige Woche als beurlaubt dahin in die Probe stecken. Es ist wahr, daß die hiesigen Bergwerke sehr aus­giebig sind, allein alle Goldadern sind sehr absätzig und nicht dauerhaft, folglich traue mich nicht, Dir was anzuraten. Ich selbst riskiere nur soviel, als ich entbehrlich halte. Der hiesige Landesgouverneur Baron von Brucken­thal ist mit jährlichen 6000 fl. und dem Großkreuz jubiliert und statt seiner Graf Banffy, ein würdiger Kavalier und mein guter Freund, ernannt worden. Die sächsische Nation verliert ihre ganze Stütze. Ich embrassiere Dich etc. Paul Kray. Orlath, 2. Februar 1787. Liebster Bruder! Ich danke Dir für die überschickte Berechnung und die vielen Mühewaltungen, welche Du mir machen mußtest. Vielleicht kann ich Dir jemals alles dieses erwidern.

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