Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Major Czeike: Die Cernierung und Erstürmung Wiens im Oktober 1848

344 C z e i k e. zweckmäßige Stellungen gewonnen, aus welchen sie auch Ausfälle der Insurgenten zurückweisen konnten. Die Brigade Parrot besetzte am Nachmittag ohne Widerstand den vor der Nußdorfer Linie gelegenen Friedhof, gab denselben aber als unhaltbar später wieder auf und zog ihre Truppen so weit zurück, daß derselbe durch das Feuer noch beherrscht werden und nicht mehr in die Hände der Insurgenten fallen konnte. Letzteres war um so weniger zu be­fürchten, als die Brigade Simbschen die National- imd Mobil­garden gleichzeitig von der Währinger Linie vertrieb und sich des dortigen Linienwalles bemächtigte1). Bei der Hernalser Linie hatten Mobile versucht, das un­mittelbar vor derselben gelegene Kasino Unger in Brand zu stecken; sie wurden aber bald zurückgeworfen und der Brand gelöscht. Die Brigade Chizzola war schon am 27. bis an die Lerchenfelder Linie vorgedrungen und hatte sich dort durch mehrere vor derselben aufgeführte Barrikaden gegen etwaige Ausfälle der Insurgenten gesichert2) und ebenso befand sich der Schmelzer Friedhof bereits in der Gewalt der kaiserlichen Truppen. Zwischen der Mariahilfer und Hundsturmer Linie be­setzten die Truppen der Brigade Schütte3) die Ortschaften *) *) K. A,, F. A. 1848, Cernienmg Wiens, X, ad 168, 205; Ge­schichte des Pionierregiments, II, 73. 2) Geschichte des Pionierregiments, II, 72. s) Diese Brigade hatte am 27. vom Armeeoberkommando den Befehl erhalten, die aus den Vorstädten zwischen den Ortschaften Fünf- und Sechshaus und Gaudenzdorf führenden Zugänge zu besetzen und sich durch Verbarrikadierung derselben gegen etwaige Ausfälle der Aufständischen zu sichern. In Ausführung dieses Auftrages rückte die Brigade, bestehend aus 4 Kompagnien des 5. Feldjägerbataillons, 6 Kom­pagnien des Grenadierbataillons Rattay, je 4 Kompagnien der Grenadier­bataillone Kocy und Chmielnicki, 1 Kompagnie Sappeure und 1 sechs- pfündigen Fußbatterie, am 28. Oktober um 9 Uhr vormittags in 3 Ko­lonnen von Schönbrunn ab, und zwar: 3 Kompagnien und 1 Zug Sap­peure unter Kommando des Hauptmanns von Eeisinger längs dem rechten Wienufer nach Gaudenzdorf, 3 Kompagnien unter Kommando des Hauptmanns Baron Boxberg längs dem linken Wienufer über Sechshaus gegen die Gumpendorfer Linie, die Hauptkolonne, von GM. Schütte selbst geführt, auf der Hauptstraße über Rustendorf und

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