Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - V. Abschnitt. Letzte Lebensjahre

294 Just. Deinen Brief vom 4. dieses hat mir die vorgestrige Post überbracht, daraus ich mit vielem Vergnügen Deine glückliche Nachhausekunft vernommen habe. Den 4. dieses bin ich hier in der großen Welt erschienen raid von den Großen des Landes mit ausgezeichneter Achtung empfangen worden. Der Einzug des Kaisers war magnifique und sehr solennel. Ich machte dabei nur die Figur eines alten Kriegers und blieb mit den Alten des Reichs in dem Zelt, wo Se. Majestät empfangen wurde. Dann mischte ich mich unter die Zuschauer und Bewunderer des herrlichen Ein­zugs, wo Magnifizenz und Ordnung die Augen aller an­wesenden Fremden blenden und sie der ungarischen Er­gebenheit für ihren König und Herrn überzeugen konnten. Den folgenden Tag nahm ich Audienz und wurde von dem Kaiser und der Kaiserin sehr gnädig aufgenommen. Ersterer sagte: „Warum zeigten Sie Besorgnis zum Landtag zu erscheinen? Ich bin ja überzeugt, daß Sie ganz schuldlos an allem seien, vielmehr weiß ich, daß Sie zu gar keiner Retraite zu bringen waren, alle Ihre Dispositions vortrefflich machten, auch keinen Teil an den nachherigen üblen Folgen hatten.” Se. Majestät fragte mich gleich weiters um die Umstände meines Guts und Landlebens, dem ich eine Be­schreibung der Gegend und Erträgnisse machen mußte. Se. Majestät schien sehr aufgeräumt und bin ich mit der ausgezeichneten Aufnahme sehr zufrieden. Ihre Majestät, die Kaiserin, waren ebenfalls sehr gnädig und herablassend und sagten, daß es ganz charmant sei, daß ich zum Landtag erschienen. Sie hofften, daß ich während dessen Dauer hier verweilen werde. Ich will aber meinem Vorsatz unverrückt getreu bleiben, aller Gelegenheit auszuweichen, wo geargwöhnt werden könnte, als ob ich noch zu figurieren wünschte, zu­malen jetzt meine Genugtuung vor der Welt komplett ist. Auch Erzherzog Karl zog mich ins Gespräch. Als ich ihm für seine Vermittlung dankte, schien er über mein Schicksal betroffen; er lobte mein gutes Aussehen. Ich er­widerte, daß der Schein blendend wäre, weil meine Gesund­heit meist wankend und daß man nach 49jährigem Kriegs­Preßburg, den 19. Mai 1802.

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