Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - V. Abschnitt. Letzte Lebensjahre
290 Just. für mich angenehm, obwohl ich nichts suche, noch anderes als meine jetzige Ruhe wünsche. Ich embrassiere Dich etc. und bin Dein aufrichtiger Bruder Daul Kray. Topolya, den 5. Oktober 1801. Bei meiner Rückkehr von Pest, wo ich mir eineWinter- wohnung von einigen Zimmern gemietet, erhielt ich Deine Zuschrift. Mit Aufschub meiner Biographie1) bin ich ganz einverstanden, denn in jetzigen politischen Zeiten, wo ich gerne meine Ruhe im Frieden zu genießen wünschte, bin ich darüber ganz gleichgültig, ob die Welt von mir was weiß oder nicht. Mein Sohn wollte mit Gewalt quittieren, weil man einen sechsmonatlichen Urlaub als systemwidrig abgeschlagen. Ich erwarte ihn hier, um die Sache nicht zu präzipitieren, denn seinen Monarchen und Herrn muß man bestens menagieren. Indessen, da er zum Militär so wenig Lust als ich zur Schneiderei habe, so werde sehen, wie ich ihn mit Anstand davon losmache, wenn er anders Lust zur Ökonomie wird zeigen wollen. s Ich habe hier viele Beschäftigung und Sorgen wegen guter Wirtschaftseinrichtuug, um durch Verdopplung der Einkünfte auch schleuniger meine Schuld abtragen zu können. Wie geht es denn Deiner besten Gemahlin? Vielleicht erholt sie sich noch aus ihrer Krankheit, um ihre Mutterstelle bei Erziehung der Tochter zu vollbringen. Gott möge dies zu Deinem und ihrem Besten geben, denn ihr Tod würde Dich wegen der Erziehung in manche Verlegenheit bringen. Doch Gott sorgt ja für alles. Ich embrassiere Dich herzlichst etc. und bin Dein aufrichtiger Bruder & Paul Kray. N.B. Zu Anfang November werde ich nach Pest reisen und allda überwintern. Alexander von Kray wünschte die Veröffentlichung einer Biographie des Feldzeugmeisters. Dieser aber redete ab, bis Alexander die Absicht fallen ließ.