Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - V. Abschnitt. Letzte Lebensjahre
Briefe des FZM. Paul Freiherrn Kray de Krajoya. 287 Preßburg, den 15. Juni 1801. Meine Kinder habe hier gesund angetroffen und mein neues Quartier bezogen, welches gerade vor dem Laurenzer Tor im Graf Alexander Erdödyschen Haus und sehr gemächlich ist und den einzigen Fehler hat, daß es von meinem Gut allzu entfernt ist. Weil ich aber nur zur Winterszeit hier zu bleiben gesinnt bin, so bin ich auch darüber gleichgültig, zumalen es nur die Hälfte so viel kostet als jenes von Pest, wodurch die Reisespesen eingebracht sind. In 8 oder 10 Tagen reise ich ins Pistyaner Bad, kehre dann wieder zurück anher und gedenke zu Hälfte Juli wieder^ nach Topolya zu reisen, um den Hausbau zu beendigen und der Ernte, die heuer hoffnungsvoll scheint, selbst beizuwohnen. Ich embrassiere Dich etc. und bin Dein aufrichtiger Bruder Paul Kray. Preßburg, den 18. Juni 1801. Der anhaltende Regen und Kälte sind Ursach, daß ich einige Tage später nach Pistyan reisen werde. Meine Schwiegertochter ist in der Hoffnung und dürfte wohl dermalen einen Buben bekommen, den ich ihnen und mir wünsche. Es wird in Wien ein Maria Theresien-Ordenskapitel gehalten. Mehrere meiner Freunde in der Armee ließen mich bitten, um das Großkreuz einzukommen, denen ich aber antwortete, daß meine jetzige Lago dies nicht erlaube. Vermög Ordensstatuten gebührt jedem General, der eine Bataille gewinnt oder Festung erobert, das Großkreuz. Ich gewann voriges Jahr vier entscheidende Schlachten und eroberte Peschiera, Brescia, Ferrara und Mantua. Trotzdem würdigte man mich dessen nicht; wie sollte ich dermalen als Exilierter Anspruch darauf haben? Ich lehnte das Begehren meiner Freunde, die es vermutlich nicht ganz aus eigenem Antrieb getan haben mögen, mit allem Anstand ab, sagte aber doch dabei, daß man vermutlich schon andere protegierte Herren dazu bestimmt habe, in deren Gesellschaft ich hätte figurieren sollen. In Topolya unter meinen Bauern brauche ich keinen Stern am Kleid. Die große Welt will ich nach Tunlichkeit evitieren und meine letzten Tage in einem vergnügten Privat-