Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - V. Abschnitt. Letzte Lebensjahre

282 Just. Dienst verlasse und die Wirtschaft führe, wodurch ich mich alsdann nach Preßburg in Ruhe setze und jährlich einmal nach- sehen gehen will. In Rücksicht dieser vielen neuen Einrichtungen habe ich mir hier in Baja, sechs Stunden von Topolya, eine schöne Wohnung im Grassalkovichschen Kastell gemietet, wo ich den Winter passieren und zuweilen nach Topolya reisen werde. Baja liegt an der Donau, ist ein großer Marktfleck und Hand­lungsort, wo auch mehrere Edelleute wohnen und die Land­straße nach Pest führt, wodurch ich schon den größten Teil meiner Bagage und alle Pferde hier habe. Die eingekauften Möbel kommen zu Wasser, folglich bleibt Preßburg heuer um so mehr aus, als vielleicht inzwischen der Friede erfolgen dürfte; ich will den Schein der Ostentation wenigstens evi- tieren. Ich embrassiere Dich herzlich etc. und bin Dein treuer Bruder Paul Kray. Baja, den 26. Jänner 1801. Dein Schreiben vom 6. Jänner habe ich richtig erhalten. So wie ich mich eueres allseitigen Wohlseins freue, so danke ich für die Erinnerung zum Jahreswechsel und meinem Namens­tag und wünsche euch, alles Wohlsein und Zufriedenheit zu erleben. Ich höre aus Italien von meinem Obristen und Regiment seit einem Monat gar nichts. Von fremden Offiziers höre ich, daß es in den Gefechten am 25. und 26. Dezember viel verloren und ein ganzes Bataillon in einem tété de pont verlassen und gefangen worden sein soll, wobei vermutlich auch der Mazur befindlich ist1). Seitdem soll der Feind auch die Etsch passiert und unsere Armee sich weiter gegen Kärnten zurückgezogen haben, wodurch das venetianische Land auch ') Das Infanterieregiment Nr. 34 kämpfte mit Auszeichnung am 25. und 26, bei Yaleggio; das Oberstleutnantbataillon verteidigte den Brückenkopf von Borghetto, mußte aber, nachdem es mehrere Stürme zurückgeschlagen hatte und ihm die Munition ausgegangen war, sich ergeben. Krays Neffe, Hauptmann Mazur, geriet hiebei in Gefangen­schaft.

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