Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - IV. Abschnitt. Krays Teilnahme am 2. Koalitionskrieg 1799-1801
270 J üst. Graf Keglevich schreibt mir, daß er den 26. März bei Sr. Majestät in einer Audienz die Terminbestimmung angesucht, worauf Se. Majestät sagten: ,,Schreibend Ihrem Freund, dem General Kray, daß ich damit nicht eile, weil ich antrage, ihm bei erster glücklicher Affäre gegen den Feind auch die 86.000 fl. nachzusehen." Gott gebe also, daß alles glücklich ablaufen möge. Man lobt das Dorf und Territorium sehr, welches fünf Meilen von Szegedin und zwischen der Donau und Theiß, selbst nur drei Stunden von dem neuen großen Kanal entfernt liegt und von lauter Ungarn und Katholiken bewohnt sein soll. Wie sorgenvoll mir alles dieses jetzt bei meiner Abwesenheit fallet, kann Dir nicht genug schildern, da ich mich bloß auf Fremde verlassen muß; zum Glück, daß sich Keglevich auf das freundschaftlichste annimmt und alles besorgt, wozu ich ihm 12.000 fl. bar zur Bestreitung des Nötigen in Wien und Pest zurückgelassen habe. Vielleicht gibt uns Gott einen baldigen Frieden, dann will ich selbst alles arrangieren und meinem Sohn die ferneren Sorgen überlassen. Ich embrassiere Dich etc. und bin unverändert Dein aufrichtiger Bruder Paul Kray. * ❖ * Kray hatte zu Ende April statt der ihm zugesicherten 100.000 nur 60.000 Mann zur Verfügung, deren Gros bei Donaueschingen, vorgeschobene Divisionen bei Rastatt, vor Straßburg, bei Basel und Schaffhausen in einer Frontausdehnung von 200 hm standen. Da sein Gegner Moreau eine Armee von 120.000 Mann kommandierte, so gab Kray alle Offensivgedanken auf und faßte den Plan, sich so lange bei Ulm zu behaupten, bis er verstärkt werde. Erst wenn sich die Absichten des Feindes deutlich aussprächen, war er gesonnen, die einzelnen Gruppen an sich zu ziehen. Dia Franzosen übersetzten in der Zeit vom 25. April bis 1. Mai den Rhein in vier Kolonnen, worauf Kray, um die Magazine von Stockach zu decken, sich westlich dieses Ortes konzentrierte. Seine Offensivstöße, um More aus Vorrückung zu verzögern, führten am 3. Mai zum Gefecht bei Engen, am 5.