Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - IV. Abschnitt. Krays Teilnahme am 2. Koalitionskrieg 1799-1801

268 Just. nach Preßburg zu meinen Kindern zu gehen, wo ich seit gestern angekommen und wegen vielen Zulauf selbe kaum sehen kann. Auch jetzt habe ich nur einen Augenblick, Dir alles dieses zu schreiben, werde Dir aber noch aus Wien meinen Abgang und weitere Umstände berichten, da ich jetzt selbst nichts weiß: In Wien bin ich außerordentlich gnädig aufgenommen und täglich bei den großen Herren fetiert worden, die mich als den Retter der Monarchie erkennen. Wer hätte dieses vor zwei Jahren, wo man mich kaum angeschaut, geglaubt. So belohnt Gott Tugend und Rechtschaffenheit. Ich habe den Kaiser um eine Fiskalität im Bácser Komitat erga donationem mixtam gebeten. Sie trägt jährlich 8000 fl. ein. Man glaubt, daß man mir solche als den Erretter Italiens gratis verleihen wird. Das wäre freilich ein großes Geschenk. Das Miniaturporträt für Deine Tochter ist schon fertig,1) ziemlich getroffen und schön gefaßt, welches Du hier von meiner Schwiegertochter an Dich ziehen kannst. Mein Sohn embrassiert Dich nebst mir etc. und bleibe Dein aufrichtigster Bruder Paul Kray. P. S. Morgen gehe nach Wien, um die nötigen Instruk- tions und Befehle zu erhalten. Man pressiert meinen Abgang, weilen Erzherzog Karl stark krank sein soll und in Wien erwartet wird. Wien, den 6. März 1800. Deinen letzten Brief vom 14. elapsi habe ich hier in Wien rechtens erhalten und mit vielem Bedauern Deine miß­lichen Gesundheitsumstände vernommen. Ich bin heute in der Abreise zur Rheinarmee, die ich kommandieren soll2). Dieses Allerhöchste und zugleich wichtige Zutrauen bringt mich in Verlegenheit, wie Du selbst beurteilen und in aller Hinsicht mich bedauern kannst. Ich hoffe, Gott wird mir helfen und noch ferners unsere Waffen segnen. ') Befindet sich im Besitz des Oberstaatsanwaltes von Kray in Pozsony. Hofkriegsrätliches Intimat vom 1. März 1800.

Next

/
Thumbnails
Contents