Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - II. Abschnitt. Krays Teilnahme am 1. Koalitionskrieg
Der Feldzug 1792, mit den kühnsten Plänen von den Verbündeten begonnen, hatte mit dem Verlust der Niederlande geendet. Am 5. Dezember 1792 war FM. Prinz Josias von Sachsen-Koburg mit dem Oberkommando über alle am Rhein aufgebotenen kaiserlichen Truppen betraut worden, dem die Aufgabe zufiel, die Niederlande wieder zu erobern und dem erfolgreichen Vordringen der Franzosen in Holland unter Dumouriez ein Ziel zu setzen. Das Schicksal der Festung Maastricht, welche seit 20. Februar vom General Miranda belagert wurde, beunruhigte den Prinzen Koburg so sehr, daß er sich zu einer raschen Offensive entschloß. Am 28. Jänner bezog die vereinigte österreichisch-preußische Armee eine enge Konzentrierung *) an der Roer und überschritt bereits am 1. März diesen Fluß, delogierte den Feind aus seinen verschanzten Kantonierungsstationen und schlug ihn bei Aldenhoven. Am 3. März näherte sich die Hauptarmee bereits Maastricht, worauf General Miranda die Belagerung aufhob und sich, hart von der österreichischen Avantgarde verfolgt, nach Lüttich zurückzog. Über bestimmten Befehl des Nationalkonvents hatte Dumouriez weitere Operationen in Holland aufgeben müssen und war am 13. März in Löwen eingetroffen. Schon der 18. März brachte jedoch für Österreichs Scharen den glänzenden Sieg bei Neerwinden2); der Rückzug der Franzosen über Hai, Enghien, Ath glich einer Flucht. Dumouriez trat in Unterhandlungen mit Österreich, deren Zweck ’) 54.843 Mann k. k. Truppen, 11.400 Mann königlich preußische Truppen. (K. A., C. A. 1793, Berichte Koburgs, 418, 16b, ad 23.) 2) Belation K. A., C. A. 1793, Berichte Koburgs, März, Nr. 21.