Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793
Briefe des FZM. Paul Freiherrn Kray de Krajova. 99 dann ungesäumt auf den niederländischen Kriegsschauplatz zu begehen. Marschstation Enns, 13. Februar 1793. Liebster Bruder! Eröffne Dir, daß mein Aufenthalt in Wien bis 5. dieses ganz gut und zur Zufriedenheit abgelaufen ist. Se. Majestät der Kaiser zeigten sich ausnehmend gnädig und schienen über meine Anstellung besonders zufrieden. Er sagte mir unter gnädigsten Ausdrücken, ich solle meine Sachen gegen die Franzosen ebenso gut wie gegen die Türken vollbringen. FM. Lacy, der mich das erstemal zu sehen bekam, überhäufte mich mit Gütigkeit; ich mußte mich zu ihm aufs Kanapee setzen und über eine halbe Stunde lang unterhielt er sich mit mir über lehrreiche militärische Gegenstände. Er schien mit meinen freimütigen Äußerungen sehr befriedigt und fragte mich wiederholt um meine Gesuudkeitsumstände, die er anhaltend zu bleiben wünschte. Er bat um Vergebung, daß er mich so familiär im Schlafrock empfangen habe, meinte aber, besser so als gar nicht, weilen die vielen Geschäfte ihm nicht einmal die Etikette erlauben. Den Kriegspräsidenten Graf Wallis traf ich etwas sauer an; aber als er mich vom siebenjährigen Krieg zu erkennen anfing und sich meiner als Adjutant des Draskovich erinnerte, änderte er gleich Stimme und Humor. Er war bei meiner Beurlaubung überaus gnädig und sagte mir nochmals : „Führen Sie sich gegen die Franzosen nur brav auf.” General Browne war auch sehr freundlich. Schade um ihn; er ist kränklich, an Händen und Füßen geschwollen und schwerlich mehr zum Kriegsdienst geeignet. Hodie mihi; eras tibi. So geht es in der Welt. Heute bin ich hier zu Enns, eine Station vor Linz, eingetroffen, bis 24. werde zu Braunau in Bayern sein. Wohin der weitere Marsch gehet, ist mir noch unbekannt. Nach einer mir in Wien vom FM. Prinz Ko bürg zurückgeiassenen Order soll ich meinen Zug gerade zur Hauptarmee, das wäre also gegen Köln, nehmen. Man glaubt aber, daß unsere Operations anderwärts anfangen. Vederemo! 7*