Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)

Hauptmann Paldus: Johann Christoph Müller. Ein Beitrag zur Geschichte vaterländischer Kartographie

Ein Beitrag zur vaterländischen Kartographie. 95 waldes kommende fischreiche Moldava mit der perlenreichen Ottava, der Zazava, der Luschnice und der Berauna. Der Fluß Egra schließt das ganze Bild. Eine Ansicht von Prag, mit der steinernen Brücke über die floßbare Moldau und mit der alten, ehrwürdigen Königsburg am Hradschin, wird von dem Bilde des böhmischen Herzogs Wenzel des Heiligen gekrönt, welcher die Landeshauptstadt dem Schutze der Madonna empfiehlt. Diese figurale Ausstattung der Karte wurde von dem Maler Wenzel Lorenz It e inner1) entworfen und gezeichnet. ,,Wenceslaus Laurentius Reinner inventor et delineavit Prag.” Nach den Vorlagen dieses Künstlers führte der Augs­burger Kupferstecher Joh. Daniel Herz (1693—1754)* 2) den Stich dieser Nebenfiguren aus. „Johann Daniel Herz sculpsit Aug. Vindelicorum.” Jedes Kartenblatt ist am inneren Bande gemessen 54'7 cm lang und 46'5 cm hoch. Die Länge der ganzen Karte beträgt 2-73 rn, die Höhe 2’32m, die ganze Fläche 6'3 «*. Sie besitzt kein Gradnetz, am Rande ist eine Gradeinteilung mit Angabe der Minuten angemerkt. Die Karte ist als recht­eckige Plattkarte konstruiert. Die Rechtecke betragen nach den Breiten- und Längengraden gemessen im Mittel 13*54 cm Höhe und 8*7 cm Länge, die Breitenminuten 1-3 cm, die Längenminuten 0*9 cm oder 1874 m und 1171m im Werte. Die an Böhmen angrenzenden Länder sind: Im Norden: Saxoniae Superioris Pars mit Circul. Voitlandicus, Circul. Mineromontanus, germanice Erzgebürgische Creys und Circul. Misniacus. Lusatiae Superioris Pars. Ducatus Silesiae Pars mit Ducatus Javariensis, Swidnicensis, Mönsterbergensis und Krotkaviensis. Im Osten: Marchionatus Moraviae mit Circul. Igla- viensis, Brunnensis und Olomucensis. Im Süden: Archiducatüs Austriae Pars. Im Westen: Bavariae Pars und Palatinatus ') Geboren in Prag 1686, widmete sich unter der Leitung Schweigers der Landschafcs- und Schlachtenmalerei und sein Ruf verbreitete sich weithin. Seine Bilder wurden hochgeschätzt und teuer bezahlt. Er starb 1743 noch nicht 56 Jahre alt und wurde bei St. Ägidius in Prag begraben. (Nagler, Künstler-Lex., 12. Bd.) 2) Nagler, Künstler-Lex., 6. Bd.

Next

/
Thumbnails
Contents