Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)
Hauptmann Paldus: Johann Christoph Müller. Ein Beitrag zur Geschichte vaterländischer Kartographie
Ein Beitrag zur vaterländischen Kartographie. 87 Im Jahre 1568 gab der Marienberger Pfarrer Joh. Crig inger1) eine Karte von Böhmen* 2) heraus, welche leider in ihrer ursprünglichen Gestalt verloren gegangen ist. Ortelius „Theatrum Orbis Terrarum, Antverpiae 1570”, führt sie an im „Catalogus Auctorum” unter dem Titel „Joannes Origin gerus Bohemiae, Missniae, Turingiae, collateratium regionu tabulam; Pragae 1568.” Das Original stellt also nicht Böhmen allein, sondern auch Meißen und Thüringen dar. Das abgesonderte3) Böhmen ließ Ortelius in einem vergrößerten Maße zeichnen und fügte es seinem Sammelwerk ein.4) Criginger benützte für sein Werk, das religions and may as such, be regarded as the first statistical map.” Eine ausführliche Beschreibung der Klaudianschen Karte gibt Schneider, Über die Entwicklung des Kartenbildes von Böhmen, 326—332. ') Criginger wurde zu Joachimsthal in Böhmen wahrscheinlich 1521 geboren. Im Jahre 1535 kam er nach Marienberg in Sachsen, wo er dann seit 1519 als Geistlicher fungierte. Er befaßte sich mit der Idee, ein Werk nach dem Vorbild des goldenen Tisches Karls des Großen, auf dem eine Weltkarte eingegraben war, zu schaffen. Bald sah er ein, daß ihm zu solch großen Plänen die Mittel und Kräfte mangelten und er beschränkte sich auf die Herstellung einer Karte von Sachsen und den angrenzenden Ländern. Nach der Erklärung Crigingers ist diese Karte ,,nur allein, ohne einiges manchen Hülff, dazu daheim ohne alles wandern und besichtigen, ohne einiges menschen unkost und Vorlegung zusammen bracht”. Im Hinblick auf die Art der Herstellung dieser Karte ist es erstaunlich, daß sie trotz aller Mängel noch so erträglich ausfiel. Kurfürst August von Sachsen, der erkannte, daß die Karte „viel großen Irrthumb” enthalte, verlangte, daß „seine Wappen und Titel davon bleiben”, sandte jedoch später 50 Gulden als Beisteuer und Criginger ließ sie 1568 in Prag drucken. (Buge, Geschichte d. sächs. Kartographie im XVI. Jahrhundert, 91, 223. Zur Biographie vergl. auch Allgem. deutsche Biogr., XLVH, 559.) 2) Der Norden und Nordwesten von Böhmen erscheint in der Karte des schmalkaldischen Kriegsschauplatzes (1516 bis 1555), von Wolfgang Lazius auf Pergament gezeichnet: „Mappa sive chorographia castrametacionum et profectionum longe invictis. Caesarain Carol! V et Ferdinandi Primi In bello adversus Joannem Fridericum Exelectorem in Misnia Saxonia demumque adversus conspirationem quorundam in Bohemia gesto.” (Eug. Oberhummer und Fr. R. v. Wieser, Wolfg. Lazius Karten der österr. Lande 1545—1563, Innsbruck 1906, 16.) 8) Vergl. Schneider, Über d. Entwicklung d. Kartenbildes v. Böhmen, 336. 4) In Ortelius „Theatrum Orbis Terrarum, Antverpiae 1592” kommt die Karte unter dem Titel „Regni Bohemiae descriptio” als