Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)

Hauptmann Paldus: Johann Christoph Müller. Ein Beitrag zur Geschichte vaterländischer Kartographie

Ein Beitrag zur vaterländischen Kartographie. 79 natürlich von der heutigen ganz bedeutend ab, häufig ist den deutschen Ortsnamen die slavische Benennung beigefügt. Das dem Kaiser Karl VI. vom Hauptmann Müller überreichte handschriftliche Widmungsexemplar seiner mäh­rischen Landkarte, welches die k. k. Hof-Bibliothekin ihrer Kartensammlung aufbewahrt, gibt wichtige Aufschlüsse, insbesondere in bezug auf die Topographie, ohne welche' die ständische Karte vielfach unverständlich und unvollständig bleibt. Bei der gestochenen Karte wurden in der Erklärung manche Zeichen weggelassen, in der Karte jedoch beibehalten. So fehlt in der Erklärung das Zeichen für die Weingärten, Marmorbrüche, Fischteiche etc. Die Bezeichnung: Signum Urbium Regiarum, Pagi longiores und Aqua salsa ist in der ständischen Karte ganz weggeblieben.* 2) Das Kaiserexemplar3) führt den Titel: „Augustissimo Romanorum Imperatori Carolo VI Mappam hanc choro- graphicam Moraviae institutis passim Geographicis dimen- sionibus novissimé ä se elaboratam Atlantis Austriaci Primi- tias humillimé offert Joh. Christ. Müller. (1:115.000.) Der Maßstab der Karte enthält zwei mährische Meilen = 4 Stunden. Die mährische Meile mißt 7'8 cm, ihr Wert ist nicht angegeben. Die Karte besteht aus zehn gezeichneten Blättern stark getonten Papieres, hat eine Länge von 2’36 m und eine Höhe von D65 m. Die Gradeinteilung, welche sich mit der in der gestochenen Karte nicht deckt, reicht von 34° 2' bis 38° 49' östlicher Länge und von 48° 21' bis 50° 29'nördlicher Breite. Den Titel umschließt eine mit dem mährischen Adler geschmückte Vignette, welche die Jagd und den Fischfang >) K. k. Hof-Bibl. 22 (7). 2) Offenbar bat Müller die Fehler und Auslassungen nicht mehr, wie er es vorhatte, auf den Kupferplatten richtigstellen und nachtragen lassen; vielleicht war er damals (1716) durch die Aufnahme von Böhmen zu sehr in Anspruch genommen. 3) Es ist dies offenbar das Exemplar, welches er dem Kaiser vor­legte und das ihm die schon erwähnte Belohnung eintrug. Von dem Verbleib der gezeichneten Karte von Mähren in 4 Sektionibus, welche Müller, wie er in seinem Schreiben bemerkt, dem Hofkriegsrat em­sendet, ist dem Verfasser nichts bekannt. (Vergl. auch Matzura, Die ältest, u. alt. Landkarten v. Mähren, 305.)

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