Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)

Major Ludwig Eberle: Die Mission des Obersten Steigentesch nach Königsberg im Jahre 1809

380 E b e r 1 e. bracht habe, in welchem dieser aus Königsberg meldet, der König sei über die Ankunft des Obersten Steigentesch „wütend” (furieux) gewesen und daß er ihn deshalb mit Er­bitterung (avec aigreur) empfangen habe1). Nagler berichte ferner über die Unterredungen des Freiherrn von Steigen­tesch fast ebenso, wie dieser selbst an Stadion geschrieben habe. Goltz sei über dies alles sehr beunruhigt und auf­gebracht. Der Aufenthalt des österreichischen Obersten in Königs­berg, der Wortlaut seiner Unterredungen mit dem König, der Königin und allen anderen in den Berichten genannten Per­sonen kam überraschend schnell zur Kenntnis Napoleons durch eine Depesche des Barons Linden, Minister des Königs von Westfalen in Berlin, an den Grafen Pürstenstein in Kassel 2). Steigentesch war in Berlin mit Baron Linden zu­sammengetroffen. Angestachelt vom Ehrgeiz, der Träger einer so wichtigen Mission zu sein, berauscht von dem Bewußtsein, im Mittelpunkt der Politik von ganz Europa zu stehen, vielleicht auch durch die Zurückweisung des Königs verletzt, ließ sich der von lebhaftem Selbstgefühl beherrschte, der Pose nur zu leicht geneigte Unterhändler hinreißen, Linden gegenüber einige bedenkliche, nicht zu rechtfertigende Indiskretionen zu begehen. Oder wollte er das, was ihm in Königsberg miß­glückte, in Berlin auf Umwegen erreichen? Dazu hatte er gewiß keinen Auftrag. Keinesfalls dürfen aber alle in der Depesche Lindens enthaltenen Mitteilungen Steigentesch zur Last gelegt werden. Zunächst wäre zu bemerken, daß diese Depesche in der Correspondance inédite nicht datiert ist. Welche Anhalts­punkte Hormayr hatte, sie mit dem Datum vom 26. Juni *) *) Vergl. 0 mpteda, Zur Geschichte in dem Jahrzehnt vor den Befreiungskriegen, II, 426. Danach hatte Steigentesch dem öster­reichischen Gesandten in London, Fürst Schwarzenberg, ge­schrieben: „J’ai été reipu ici comme un chien dans un jeu de quilles.” 2) Corr. inédite, VII, 395, deutsche Übersetzung in Lebensbilder aus dem Befreiungskrieg, III, 258. t *

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