Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)

Major Ludwig Eberle: Die Mission des Obersten Steigentesch nach Königsberg im Jahre 1809

Die Mission Steigentesch 1809. 365 ,,In Glogau besteht die Besatzung in diesem Augen­blick nur aus 1600 Mann und diese, außer 30 Dragonern, „aus Sachsen und Polen. Küstrin und Stettin enthalten „kaum 5000 Mann und aus der letzten Festung, deren „Besatzung zum Teil aus Depots besteht, sollten dieser „Tage noch 300 Mann zu ihren Regimentern bei der großen „Armee aufbrechen. „In Niederschlesien habe ich die Anstalten des Mobil- „machens weniger tätig als die unter dem Grafen Götzen „gefunden. Dem Befehl des GL. Gr avert, den ich in „Liegnitz las, standen die Worte beigefügt: dies ja nicht „mit Geräusch zu betreiben, um den Franzosen dort in „der Nähe keine ombrage zu geben und ihre Aufmerk­samkeit vor der Zeit zu erregen. „Hier, wo die Inspektion des Generals Blücher an­bängt, wird alles desto eifriger und mit einer solchen „Ungeduld betrieben, als ob sie morgen aufbrechen sollten. „Indessen klagen alle, besonders einige, die gerade von „Königsberg kommen, immer noch über die Unschlüssigkeit „des Königs, und sie fürchten, daß er wieder dann erst ernst­hafte Maßregeln ergreifen wird, wenn keine mehr zu „ergreifen sind. „Ich wage es, Euer Kaiserlichen Hoheit, so lang diese „ungewisse Lage dauert, untertänigst vorzuschlagen, den „Eifer und die Bereitwilligkeit des Grafen Götzen zu be- „nützen, um von jener Seite Leute mit preußischen Pässen „nach Franken und Bayern zu schicken, die dort, auf der „Verbindungslinie des Feindes, sich mit seinen Hilfsmitteln „und ihrer Anwendung bekannt machten und durch die „nämlichen Pässe Eure Kaiserliche Hoheit von allem „schnell unterrichten könnten. Jeder preußische Komman­dant, so viele ich noch gesprochen habe, ist zur schnellen „Fortbringung von Nachrichten und jeder Art Hilfe bereit, „denn es ist nicht möglich in irgend einem Lande schlech­tere Wege, schlechtere Pferde, mehr Armut und eine „bessere Stimmung zu finden als hier.” Am 15. Juni traf Steigentesch in Königsberg ein und wurde am folgenden Tage um 10 Uhr vom König empfangen.

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