Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)

Major Ludwig Eberle: Die Mission des Obersten Steigentesch nach Königsberg im Jahre 1809

Die Mission Steigentesch. 1809. 351 zugesichert werden, desgleichen die Zivilverwaltung „unbeirrt in ihren Verrichtungen bleiben”, bis der Kontinentalfrieden oder ein besonderer Frieden mit dem König .von Sachsen das Schicksal des Herzogtums endgültig bestimmen würden. Dagegen müßten alle militärischen Maßnahmen im Herzogtum unterbleiben, Waffen und Munition ausgeliefert werden und alle Offiziere sich ehrenwörtlich verpflichten, weder gegen Österreich noch gegen irgend eine mit Frank­reich im Kriege befindliche Macht zu dienen. Dieser zweite Entwurf verlegt ferner den Schwerpunkt der preußischen Hilfeleistung in das Königreich Sachsen, um dessen Herrscher von Frankreich abzuziehen und einer Allianz mit Österreich-Preußen geneigt zu machen. Schließlich teilte Erzherzog Karl dem Grafen Stadion mit, daß er für die vorgeschlagene Mission nach Königsberg den Obersten Freiherrn von Steigentesch ausersehen habe, den er mit den beiden Entwürfen und dem Antwort­schreiben an ihn abschickte. Stadion beantwortete die Mitteilungen des Generalis­simus sogleich mit folgendem Schreiben *): „Indem ich Eurer Kaiserlichen Hoheit die Mitteilungen „der auf die Absendung des Baron Steigentesch nach „Königsberg Bezug habenden Ausarbeitungen gehorsamst „verdanke, erlaube ich mir, in Gemäßheit des mir darüber „gegebenen gnädigen Fingerzeiges, denselben folgende „Bemerkungen zuzusetzen. „Es liegt uns sehr daran, die von dem Prinzen von „Oranien geäußerten guten Gesinnungen des preußischen „Hofes auf das schnellste und auf das zuträglichste für den „Fortgang unserer Kriegsoperationen zu aktivisieren. Zu „diesem Ende muß mit der Sendung nach Königsberg um „so weniger Zeit verloren werden, als die nämlichen Propo- „sitionen, die der Prinz von Oranien hieher gebracht „hat, auch zugleich dem Grafen Goltz in Berlin als der „Gegenstand einer förmlichen Negoziation aufgetragen „worden sind, und dieser Minister die Absicht blicken „läßt, die ihm anvertraute Unterhandlung durch diploma­‘) Wölkersdorf, 4. Juni. (K. A., Militärfeldakten a 1809, VI, 4.)

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