Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)
Major Ludwig Eberle: Die Mission des Obersten Steigentesch nach Königsberg im Jahre 1809
Die Mission Steigentescli 1809. 347 „2. daß wir unverzüglich einen Offizier höheren Ranges „und entsprechend instruiert nach Königsberg senden, um „die Absichten des Königs in Gang zu bringen (activer „les intentions du roi) und deren Ausführung nach der uns „angemessensten Richtung zu drängen. Diese Sendung ist „um so mehr begründet, als der König in dieser Hinsicht „unsere Erklärungen erwartet und es nur von uns abhängt „anzunehmen, dies sei der einzige Grund, der die Bewegung „seiner Truppen noch zurückhalte. „Man wird den König nicht leicht überreden können, „das Herzogtum Warschau zu besetzen; und wie sich die „Umstände entwickelt haben, würde es nach meiner Ansicht keineswegs der nützlichste Punkt sein, wo die „preußischen Truppen verwendet werden könnten. Eure „Kaiserliche Hoheit werden vielleicht am ratsamsten finden, „ihm für einen Teil die Richtung gegen das Kurfürstentum „Sachsen und vielleicht für die schlesischen Truppen jene „gegen die alten preußischen Provinzen in Pranken vorzu- „schlagen, wo sie im Zusammenhang mit unseren militärischen Operationen handeln könnten. „Ich bin mit tiefstem Respekt Eurer Kaiserlichen Hoheit Sehr ergebener und gehorsamer Diener Stadion. „Wölkersdorf, 30. Mai 1809.” Wenn der in vorstehendem Schreiben bekundeten Absicht, die preußische Politik zu zwingen, endlich Farbe zu bekennen, die Berechtigung nicht versagt werden kann, so war doch die vorgeschlagene Form einigermaßen befremdend ; sie beweist aber auch, wie leidenschaftlich Stadion der Kriegsidee nachhingx), so daß er den eigentümlichen Charakter des Königs in seinem Kalkül ganz außer acht ließ. Selbst unter der Voraussetzung, daß Friedrich Wilhelm nun wirklich rückhaltlos entschlossen war, offen als Bundesgenosse aufzutreten, hätte Stadion sich sagen müssen, daß *) *) Vergl. Kriege unter der Regierung des Kaisers Franz. Krieg 1809, I, 61-66.