Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)

Hauptmann Veltzé: Der Grazer Schloßberg 1809

Der Grazer Scliloßberg 1809. 301 konnte. Die geringe Tragweite des Geschützes gestattete nur eine Bestreichung der zunächstliegenden Kommunikationen und die Flußsperre war allerdings durchführbar, doch erwuchs dem Feinde hieraus kein übermäßiger Nachteil, da eine Um­gehung beiderseits möglich war. Die Hauptstärke der Festung bestand in der hohen Lage der Werke, welche für damaliges Geschütz und die damalige Schießkunst viele Schwierigkeiten bot, überdies er­schwerte der felsige Untergrund Minierarbeiten ganz be­deutend. Jedoch war Mangel an bombensicherer Unterkunft1) selbst für Munition, überhaupt das Mauerwerk schwach, was aus dem ganz beträchtlichen Erfolg der Beschießung hervor­geht, obschon den Franzosen nur wenig Geschütz von durch­wegs nur mittlerem Kaliber zur Verfügung stand. Auch an Schießbedarf scheint es dem Gegner gefehlt zu haben* 2), wodurch die großen Pausen im Bombardement sieh erklären. Im allgemeinen konnte nur die West- und Südfront als sturmfrei gelten, weil an diesen Stellen der Fels zu Tage tritt und im Mittel etwa 50 Meter hoch, mauerartig abfällt. Am leichtesten ersteigbar war die Ostfront, daher auch am stärksten befestigt. Dort lassen sich drei in Etagen übereinan­derliegende Verteidigungslinien unterscheiden, und zwar3): 1. Etage (von unten gezählt). Schanzkorbbrustwehr mit Palisaden, drei Batterien; an bedrohten Punkten waren Kinnen für Kollbomben und Granaten angebracht, auch große Steine und Balken lagerten am richtigen Ort, um auf die Stürmenden geworfen zu werden. 2. Etage. Die Bastionen der Hauptumfassung. 3. Etage. Das eigentliche Plateau des Schloßberges. Hier war eine ausgedehnte Batterie im Hofraum erbaut, welche je nach Bedarf mit Geschütz versehen wurde; von hier konnte nach jeder Richtung geschossen werden, was ') A. Hackhers Journal: „Diesem Platz fehlt noch, sehr viel, hauptsächlich an bombensicherer Unterkunft für Munition, Vivres und Mannschaft.” (Beiträge, 1674.) 2) Brief Marmonts an den Kaiser: „J’ai envoyé chercher quatre pieces de gros calibre ä Laibach” und weiter: „,Pai également fait demander de la poudre, qui me manque.” (Mayer, 222, Fußnote.) 8) Hiezu Textskizze 3.

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