Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)

Hauptmann Peters: Die Anfänge der Militärluftschiffahrt und ihre erste Anwendung im Feldzug 1794

Militärluftschiffahrt im Feldzug 1794. 149 Weiter heißt es in dieser Meldung: „Eine andere Kolonne, welche ungefähr eine Meile von der vorher ge­meldeten starken Kolonne entfernt, näher an Mons bemerkt wird, nimmt dieselbe Richtung.” „Eine Truppe, die man nur schlecht ausnimmt, lagert nächst Givry, an der Straße Mons—Beaumont.” „Man hört ununterbrochen Geschützfeuer, welches aus der Richtung von Fontaine l’Eveque zu kommen scheint.” Letzterer Satz dürfte sich auf die heftige Beschießung Charlerois von Seiten der französischen Division Hatry be­ziehen, welche die Batterien des Verteidigers (2800 Mann unter Oberst Reyniac) am 25. Juni zum Schweigen brachte und zur Übergabe der Festung führte. Am 21. Juni nahmen die Luftschiffer aus einer Höhe von ca. 200 m unter anderem wahr, daß „eine Eskadron in dem gestern verlassenen Lager bei Rouveroy als Bedeckung eines großen Trains stehe, und daß die gestern bei Givry lagernde Truppe noch dort stehe. In der Schanze bei l’Ouvrage entdecke man nur mehr ein Geschütz” etc. Am 22. Juni schließlich wird aus den Lüften gemeldet, „daß im Lager zwischen Grandreng und Rouveroy eine große Menge von Trainfuhrwerken unter dem Schutze zweier Bataillone ständen”. So klar nun einerseits aus diesen Ballonmeldungen resultiert, daß der Abmarsch der Truppen des Erbprinzen von Oranien aus den Lagerstellungen nördlich und nord­östlich von Maubeuge vom Luftballon aus wahrgenommen und dem französischen Kommandanten General Favereau gemeldet wurde, so ist andererseits nicht sicher zu konstatieren, ob letzterer daraus Nutzen gezogen, insbe­sondere aber, ob er das Resume dieser Wahrnehmungen an Jourdan, der als Armeekommandant vor Charleroi eintraf, weitergegeben hat, wie es nach heutigen Begriffen unerläßlich scheinen würde. Eines aber geht zweifellos daraus hervor, daß nämlich die Beobachter im Ballon von Tag zu Tag sicherer und richtiger erkannten, was sich von militärisch wichtigen Ereignissen innerhalb ihres Gesichtskreises ab­spielte und daß daher das Zutrauen zu dem neuen Kriegs­mittel in jenen Tagen erheblich wachsen konnte. Der Festungs-

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