Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)

Hauptmann Peters: Die Anfänge der Militärluftschiffahrt und ihre erste Anwendung im Feldzug 1794

138 Peters. lieh die Aufstellung des FML. Graf Kaunitz bei Grand- reng östlich von Mons an; am 24. Mai ging dieser seiner­seits zum Angriff über und drängte die Franzosen bei Merbes über die Sambre zurück. Ein neuer Ubergangsversuch der Franzosen führte am 3. Juni zur „Schlacht bei Gosselies’’, wo der an Stelle von Kaunitz kommandierende Erbprinz von Oranien mit mittlerweile herangezogenen Verstärkungen die Franzosen neuerdings über die Sambre zurückwarf. Erst später, als Jourdan mit der „Moselarmee” an der Sambre eintraf, gelang es den Franzosen, diesen Fluß endgültig zu überschreiten und in der (zweiten) Schlacht von Fleurus am 26. Juni den Feldzug zu ihren Gunsten zu ent­scheiden. Während am 2. und 3. Juni die beiderseitigen Truppen um die Palme des Sieges rangen, vollzog sich in Maubeuge der erste militärische Luftballonaufstieg. Es lag für die französische Regierung nahe, das neue, in Meudon mit Erfolg erprobte Kriegsmittel vorerst und so rasch als möglich in einem festen Platze an der Sambre ver­wenden zu lassen. Von einer Einteilung der Luftschiffer bei der im freien Felde stehenden Armee ließ man sich damals noch nichts träumen; Maubeuge aber, das sie aufnehmen sollte, lag Paris am nächsten und gegenwärtig vom Feinde frei, von Süden her ohne Gefahr zugänglich, am inneren Flügel der Flußstrecke, an welcher sich voraussichtlich bald große Entscheidungen abspielen konnten. Daß man bei den Aufstiegen von dort aus die nördlich der Sambre über das Gelände von Bavay, Bettignies, Rou- veroy oder über Mons und Binche vorauszusetzenden Zuzüge und Verschiebungen der Alliierten hätte wahrnehmen und rechtzeitig den näher befindlichen eigenen Heeresteilen hätte mitteilen können, unterliegt keinem Zweifel. Denn die Kaptiv- fahrten in Meudon hatten ergeben, daß man bei klarem Wetter und bei Erreichen von Höhen bis zu zirka 500 m mit den damaligen Fernrohren1) im flachen Lande auf einem ‘) Welche übrigens, abgesehen von den neuesten Prismenbinocles, mehr in Bezug auf Handlichkeit und Leichtigkeit als an optischen Qualitäten hinter den modernen Instrumenten zurückstanden.

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