Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)

Hauptmann Peters: Die Anfänge der Militärluftschiffahrt und ihre erste Anwendung im Feldzug 1794

136 Peters. die Leitung dieser ersten, im Parke Petit-Meudon etablierten „militäraeronautischen Versuchsstation” Europas übertragen. Sie hatte jedoch vorerst keinen militärischen Charakter, ihr Personal bestand aus Fachleuten und Professionisten. Eine lange Reihe von Detailverfügungen technischer Natur, betreffend die Beschaffung von Baumaterial für die Öfen und Gebäude, von allerlei rostfreien Eisenabfällen, von Seidenstoffen, Goldschlägerhäutchen, Gondelbestandteilen etc. geben von dem Eifer Zeugnis, mit welchen man in Meudon im Winter 1793 auf 1794 arbeitete. Coutelle, die Seele aller Arbeiten, verstand es, in wenigen Monaten einen kompletten Luftschifferpark zu schaffen. Am 27. März 1794 fand vor einer wissenschaft­lichen Kommission die Füllung des „Eprouveur” statt, welche 350 Kubikmeter Gas beanspruchte und 10 Stunden dauerte. Die Kaptivfährten begannen am 29. März. Bei einer derselben erhob sich Coutelle bis über 450m und gab begeisterten Bericht über den meilenweiten, klaren Rundblick, den er ge­nossen. Die vollkommen zufriedenstellenden Erfolge aller Versuche gaben den Anstoß zur Aufstellung der ersten Luft­schifferkompagnie1), zu deren Kommandanten Coutelle er­nannt wurde. Kaum ausgerüstet und noch nicht auf vollem Stande, wurde sie auch schon eiligst einexerziert und bereits am 6. Mai auf den Kriegsschauplatz nach Maubeuge instra­diert, denn die allgemeine Kriegslage schien die ehetunlichste Verwertung der Erfindung in einem der festen Plätze an der Sambre von Tag zu Tag dringlicher wünschenswert zu machen. Die ersten Auffahrten auf dem Kriegsschauplatz (1794). Nach langem Schwanken war der im Winter 1793 —1794 festgestellte Mac k’sche Operationsplan von den gegen Frank­reich verbündeten Staaten angenommen worden. Die vom *) *) Die Kompagnie bestand aus 1 Kapitän, 1 Leutnant, 1 Sergeant- Major, 1 Sergeant, 2 Korporalen und 20 Mann, durchwegs Professio­nisten. Adjustierung und Ausrüstung: Bluse und Pantalons aus blauem Tuche, schwarze Aufschläge mit roten Passepoils, Infanterieknöpfe mit der Aufschrift „Aérostiers”, Dreispitzhut, kurzer Säbel und 2 Pistolen, Arbeitsmontur aus blauem oder gebleichtem Zwilch.

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