Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)

Hauptmann Peters: Die Anfänge der Militärluftschiffahrt und ihre erste Anwendung im Feldzug 1794

Militärluftschiffahrt im Feldzug 1794. 133 der sich unter dem mit Beschlag belegten Eigentum des Emigranten l’Allemand-Saint-Croix befinde. Unverzüglich begannen auch die Versuche unter staatlicher Aufsicht. Unterdessen waren natürlich noch andere, mehr oder minder phantastische oder utopische Ideen aufgetaucht, welche einerseits die Frage der Lenkbarkeit für leicht lösbar hielten, andererseits das Problem des Vogelfluges, die Konstruktion von Drachen, Fallschirmen und Ballons mit Segelkombinationen zum Gegenstand hatten. Mit lebhafter Teilnahme verfolgte die Regierung alle diese Ideen und Versuche, schließlich aber wurde doch die Verwendung von Fesselballons für Kriegs­zwecke als das einzig realisierbare Projekt erkannt. Die Hauptschwierigkeit blieb vorerst die Füllung des Ballons mit Wasserstoffgas, dessen Eignung zu diesem Zwecke seit Charles’ Versuchen anerkannt war. Die zur Zersetzung des Wassers durch Eisen nötige Schwefelsäirre war aber, ab­gesehen von der relativen Seltenheit des Schwefels in Frank­reich, schon deshalb nicht in genügender Menge zu beschaffen, weil der Wohlfahrtsausschuß früher angeordnet hatte, daß aller auf französischem Territorium auffindbare Schwefel aus­schließlich zur Pulverfabrikation verwendet werden müsse. Da kam dem Chemiker Guyton die Erfindung Lavoisiers, das Wasser durch Anwendung rotglühenden Eisens in seine zwei Bestandteile zu zerlegen, gerade rechtzeitig zu Hilfe, denn nun handelte es sich nur mehr darum, das Laboratorium- Experiment ins große zu übersetzen. Nach mehreren Versuchen gelang dies vollkommen; Guy ton berichtete über die Beschaffenheit und Aufstellung der Apparate und der Pariser Physiker Coutelle wurde vom Ministerium des Innern beauftragt, die Details der Füllungsarbeiten zu leiten. Dieser begann nun mit seinem Freunde und Mitarbeiter Conté, einem namhaften Techniker jener Zeit, auf der Terrasse der Feuillants in den Tuilerien unter Aufsicht einer achtgliedrigen Kommission die Füllung1]. *) *) Die Gasbereitung erfolgte in einem in einen Backstein­ofen eingesetzten gußeisernen Rohre von beiläufig 1 m Länge, 30 cm Durchmesser und zirka 30 mm Metalldicke, in welchem Blechabfälle, Nägel, Eisenfeilspäne etc. bis zur Rotglut erhitzt wurden. An beiden calloteartig verjüngten Enden des Rohres waren kleine Eisen-

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