Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)
Hauptmann Peters: Die Anfänge der Militärluftschiffahrt und ihre erste Anwendung im Feldzug 1794
Vorgeschichte der Militäraeronautik. So mancher Besucher des k. u. k. Heeresmuseums in Wien mag sich vielleicht beim Anblick der dort (im zweiten Waffensaal) auf bewahrten seltenen, ja einzigartigen Kriegstrophäe — eines nach der Schlacht bei Würzburg am 3. September 1796 erbeuteten französischen Kriegsluftballons1) — x) Aus mehreren Aktenstücken des Hofkriegsrates geht hervor, daß der Ballon nicht in der Schlacht im freien Felde erbeutet, sondern nach der Schlacht bei der Besetzung der von den Franzosen verlassenen Stadt Würzburg — zusammen mit allerlei Monturssorten und Kirchengeräten — in einem Depot aufgefunden wurde. Im weiteren Verlauf wurde der Ballon mit den anderen Gegenständen von Würzburg nach Regensburg und weiter per Schiff auf der Donau in das Montursdepot („Monturshauptkommission”) Stockerau gebracht, wo „die Sachen in gute Verwahrung zu nehmen” waren. Uber die Art, wie er von dort später in das Heeresmuseum gelangte, fehlen die Angaben. Die Beschreibung des Ballons in Dr. Erbens undDr. Johns „Katalog des k. u. k. Heeresmuseums” lautet: „Der seidene Ballon ist nahezu kugelförmig und hat 9‘8 m im Durchmesser. Die Gondel, aus einem Bretterboden und einem mit starker, blaubemalter JAinwand überzogenen Holzgerüste bestehend, mißt samt der hölzernen Galerie 105 cm in der Höhe, 114 cm in der Länge, und — an den Seiten 57 cm, in der Mitte 75 cm — in der Breite.” Der Ballon, der einzige, der sich aus jener Kriegsperiode (1790—1799) erhalten hat, soll (nach Hinterstoisser) mit dem „Intrépide” identisch sein, einem der vier Ballons („Céleste”, „Entreprenant”, „Intrépide” und „Télemaque”), welche die Franzosen schon 1794 verwendeten. Neuere französische Forschungen über die Geschichte der Luftschiffahrt aber ergeben diesbezüglich ein anderes Resultat: Oberst Coutanceau erwähnt in seinem Werke „La Campagne de 1794 á l’Armée du Nord”, 1. Partie, Organisation, im Kapitel „Les aérostiers” (Paris 1905), daß der Ballon „Intrépide” im Winter 1794 in Meudon konstruiert, ellip- soidische Gestalt und 33 Fuß Längenachse, 22 Fuß im Durchmesser hatte. Foucard und Finot, „La defense nationale dans le Nord 1792