Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)
Hauptmann Paldus: Johann Christoph Müller. Ein Beitrag zur Geschichte vaterländischer Kartographie
Ein Beitrag zur vaterländischen Kartographie. 113 Die Würdigung der Müller sehen Karten als Kriegskarten für die Operationen der kaiserlichen Armeen in Böhmen in der Zeit der großen Kaiserin Maria Theresia bleibt einer späteren Arbeit über die großen militärischen Aufnahmen unter Kaiser Josef II. Vorbehalten. Wie hoch das Werk Müllers noch nach den Kriegsepochen der Theresianischen Zeit militärischerseits bewertet wurde, geht daraus hervor, daß die Punkte x) aus seiner Karte den militärischen Aufnahmen des Königreiches Böhmen in den Jahren 1764—1783 zu Grunde gelegt wurden. Selbst im Kriegsjahr 1809 findet sich Müllers Karte von Böhmen noch in den Feldarchiven der Armee, was allerdings seinen Grund darin haben mochte, daß die neuen unvergleichlich besseren Aufnahmskarten im Maße 1: 28.800 für den Gebrauch im Felde zu umfangreich waren. Müller war der hervorragendste österreichische Kartograph 2) aus der ersten Hälfte des XYIII. Jahrhunderts; seine Arbeiten bezeichnen den Beginn einer neuen Epoche auf dem Gebiet der vaterländischen Kartographie. Von den Nachstichen und Verbesserungen der Karte Müllers von Böhmen, die sich im Besitz des k. und k. Kriegsarchivs befinden, verdienen folgende genannt zu werden: „Bohemiae Kegnum in XII Circulos divisum cum Com. Glac. et Distr. Egerano ceterisq. circumjacentibus terris ex *) *) Die Punkte der bekannten gedruckten Müller sehen Karte haben zu Grand dieses Werkes gedient etc. — Vergl. Beschreibung Band I. der „Kriegs-Karte des Königreichs Böhmen” etc. aufgenommen unter der Direction des Obristen Fabris etc. 1761—1783 etc. (K. A., Kartenabt. B IX a 92.) 2) Ein Zeitgenosse Müllers war der k. Hofmathematicus und Vizedirektor der kais. .Ingenieurakademie in Wien, Jakob Marino ni, der sich 1719 durch seine damals mustergültige Aufnahme des Herzogtums Mailand auszeichnete. Auf Grund dieser Vermessung verfertigte der Oberingenieur und Obristwachtmeister Baron Engelhard im Jahre 1729 die Karte des Herzogtums. Das k. und k. Kriegsarchiv besitzt dieselbe unter dem Titel: „Universi Mediolanensis Dominii Tabula Topo- graphica Carlo VI ßomanorum Imperators Felicissimo ln ea Ditione Censum agente Beüi Pacisque Artium commodo Ad veram Locorum Formám atque distantiam Diligenter expressa”. 1:72.500, 32 gez. Blätter. (K. A., Kartenabt. B Vila 78.) Mitteilungen des k. und k. Kriegsarchivs. Dritte Folge. V. Bd. 8