Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)

Hauptmann Czeike: Aufmarsch der österreichischen Armee gegen die Revolution im Oktober 1848

Aufmarsch der österreichischen Armee gegen die Revolution 1843. 255 Franzenstor ein, wo sie sich mit den übrigen Truppen der Garnison wieder vereinigte. Mittlerweile war es auch in der Inneren Stadt zum Kampfe zwischen dem Militär und den aufgewiegelten Volks­massen gekommen. Die Veranlassung hiezu gab ein blutiger Zusammenstoß der beim Stephansturm aufgestellten Nationalgarden des Kärntnerviertels mit jenen der Vorstadt Wieden, welcher zum Einschreiten militärischer Kräfte nötigte. Zur Herstellung der Ordnung wurden über Befehl des Kriegsministers um 2 Uhr nachmittags zwei Kompagnien Pioniere mit zwei Geschützen auf den Stephansplatz entsendet. Am Graben kam es hiebei zu einem erbitterten Kampf, in dessen Verlauf die Pioniere durch die Bogner- und Nagler­gasse und mit dem zu ihrer Verstärkung eingetroffenen Land­wehrbataillon von Nassau Nr. 15, über den Hof und die Freiung zurückgedrängt wurden und den Rückzug aus der Stadt auf das Glacis antreten mußten *). Der Kriegsminister Graf Latour hatte noch während dieses Kampfes, über Drängen des im Kriegsministerium ver­sammelten Ministerrates, den Befehl zum Einstellen des Feuers ergehen lassen ; doch weder diese Maßregel noch dessen etwas später eigenhändig niedergeschriebene Rücktritts­erklärung konnten ihn mehr vor der sinnlosen Wut des in das Kriegsministerium eingedrungenen Pöbels retten. Nach den scheußlichsten Mißhandlungen fiel dieser edle Greis unter den Händen einer entmenschten Mörderbande seiner Pflichttreue zum Opfer. Dem kommandierenden General, FML. Grafen Auers­perg, war zwar vom Kriegsminister der Befehl übersendet worden,, vom Glacis aus in drei Kolonnen durch die Stadttore gegen das Kriegsministerium am Hof vorzudringen, allein dieser Befehl wurde schon bei Beginn der Vorrückung durch Latour selbst wieder rückgängig gemacht und so der letzte günstige Moment versäumt, dessen Leben und die Innere Stadt zu retten 2). *) Details über diesen Kampf siehe: Brinner, Geschichte des k. und k. Pionierregiments, II, 55 und Dunder, Denkschrift über die Wiener Oktoberrevolution, 125. 2) Hübner, Ein Jahr meines Lebens 1818—1849, 223.

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