Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)

Hauptmann Jacubenz: Die Besetzung von Krakau 1846

248 Jacubenz. gemeinschaftlich mit den Russen das Schloß und die Haupt­wache, indessen die Miliz die übrigen Wachen, die Kavallerie ein Biwak auf dem Ringplatz bezog. Fortwährend rückten russische Infanterie- und Kosaken­abteilungen, mit 12 Geschützen, nach und nahmen in den verschiedenen Stadtteilen Aufstellung. Spät abends kamen auch die russischen Generale Panjutin und Rüdiger an. Zur Verfolgung der abgezogenen Insurgenten war rus- sischerseits eine mehrere hundert Mann starke Truppen­abteilung ausgesendet worden, die aber nur mehr auf einzelne Nachzügler stieß, das Gros der Insurgenten jedoch nicht einholte. Letzteres hatte am 3. März die preußische Grenze noch nicht erreicht, doch hatten dessen vorausgeschickte Parlamentäre mit den preußischen Militärbehörden bei Chelmek wegen des Übertrittes Verhandlungen angeknüpft. Der Kommandant des neuaufgestellten österreichischen Korps, FML. Graf Wrbna und der zweite Divisionär GM. Graf Gyulai trafen an diesem Tage, von Wien kommend, erst in Bielitz ein. Die von hier abgesendete schriftliche Weisung des ersteren an GM. Collin, ohne seinen ausdrücklichen Befehl durchaus nichts zu unternehmen *), erhielt letzterer erst um halb 3 Uhr morgens des 4. März in Krakau, als die drin­genden Umstände ihn bereits zur Besetzung der Stadt ver­anlaßt hatten* 2). *) In ähnlichem Sinne berichtete FML. Graf Wrbna, d. d. Bielitz, 3. März 1846, auch an den Präsidenten des Hofkriegsrates: „ . . . . Hin­sichtlich der Anträge zur Übergabe Krakaus habe ich General Collin befohlen, ganz allein auf die unbedingte Ergebung der Stadt einzugehen, und daß er für den Fall der Annahme dennoch an mich hierüber zu berichten habe und daß nie die Hede von irgend einer Kapitulation sein könne.” 2) Trotz dieses, die Tatkraft Collins eher lähmenden Befehles aber, scheint FML. Graf Wrbna, wohl in seinem Unmut darüber, daß die Bussen mit der Besetzung von Krakau unseren Truppen zuvor­gekommen waren, wie auch über das seiner Ansicht nach nicht genügend energische Benehmen Collins, sehr ungehalten gewesen zu sein; denn bald nachher, auf dem Bericht fehlt das Datum, schrieb er an den Präsidenten des Hofkriegsrates: ,, .............erst als FML. Gr af Castiglione, durch seine Instruktion gezwungen sich zu Sr. kaiserl. Hoheit dem Erzherzog Ferdinand zu begeben, wieder von Podgórze entfernen mußte, fing die Taktlosigkeit in letzterem

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