Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)
Hauptmann Jacubenz: Die Besetzung von Krakau 1846
242 Jacubenz. Doch nur einem Teile gelang es, die Brücke zu erreichen, welche sehr bald von den nachdrängenden Truppen besetzt wurde. Die am Höhenfuße vorgerückte 16. Kompagnie fand nur geringen Widerstand ; erst beim Debouchieren auf den Hauptplatz wurde durch das Feuer der Insurgenten ein Mann verwundet. Die gegen die Höhe dirigierte 13. Kompagnie hatte diese ohne Hindernis erstiegen und war, vor dem Feuer aus dem Orte so ziemlich geschützt, längs des Rückens bis in die Höhe des Ringplatzes vorgerückt, als sie auf eine größere Insurgentenabteilung stieß, welche auch Fahnen führte. Diese Abteilung wurde nun sogleich mit dem Bajonett angegriffen und von der Höhe hinab auf den Ringplatz geworfen, wo sie von den in den Ort bereits vorgedrungenen Truppen empfangen und vollständig zersprengt ward. Die längs der Weichsel vorgegangene Kolonne war als Defensivflanke etwas zurückgeblieben und auf keinen Gegner gestoßen. Die Brücke sowie das rechte Weichselufer wurden nun stark besetzt, zwei Geschütze aus der bis auf den Hauptplatz nachgerückten Reserve vorgezogen und die Insurgenten auf dem anderen Ufer (Krakauer Seite) beschossen. Inzwischen wurde dem GM. Collin das Herannahen der bereits erwähnten bewaffneten Prozession, von der er schon früher gehört hatte, gemeldet. Der Zug, mit einer Anzahl Bewaffneter an der Spitze, war in der offenbaren Absicht, den kürzesten Rückweg zur Weichselbrücke zu gewinnen, von der nach Wieliczka abzweigenden Straße auf der Anhöhe südlich Podgórze erschienen. Sogleich wurden jetzt aus der Reserve drei Kompagnien des Infanterieregiments Nr. 29 entgegengeschickt, welche auch unverzüglich, an der Kirche vorbei, zur Unterstützung der noch auf der Höhe befindlichen 13. Kompagnie von Fürsten - wärther-Infanterie abrückten. Diesen vier Kompagnien gelang es nun, fast sämtliche Teilnehmer der Prozession nach zwei Salven und einem kurzen Bajonettkampf gefangenzunehmen; nur wenige erreichten unter dem Schutze der Dämmerung Podgórze, vermochten aber nicht mehr nach Krakau zu entkommen; sie wurden schließlich überwältigt und auch gefangengenommen.