Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)
Hauptmann Jacubenz: Die Besetzung von Krakau 1846
Die Besetzung von Krakau 1846. 239 halben Eskadron sogleich auf den Weg gegen den genannten Ort. Etwa 1000 Schritte vor demselben hielt er an; hier erfuhr er, daß die Insurgenten auf den Höhen von Podgórze Posten aufgestellt hatten, Kundschafter meldeten ferner, der Ort sei wohlbesetzt und zur Verteidigung hergerichtet. Als aber bis halb 5 Uhr nachmittags von der Vorrückung Oollins noch immer nichts wahrzunehmen war, trat Benedek wieder den Rückmarsch nach Wieliczka an, wo er abends eintraf und nun auch mehrere rasch aufeinander folgende Kanonenschüsse aus der Richtung von Podgórze vernahm, sodann in der Nacht Kunde von der Einnahme dieses Ortes durch die kaiserlichen Truppen erhielt. Der Diktator in Krakau hatte unterdessen, um die Scharte des vorhergegangenen Tages auszuwetzen und Wieliczka wieder zu gewinnen, eine neue Expedition dahin beschlossen, für dieselbe jedoch infolge der mangelhaften Organisation und der geringen Begeisterung keine genügende Anzahl von Teilnehmern gefunden. Da aber doch etwas geschehen mußte, um auf die erregte Landbevölkerung, der man allein die Niederlage bei Grdów zuschrieb, einzuwirken, beschloß man, auf den frommen Sinn der Landleute bauend, eine kirchliche Prozession mit Fahnen, Kreuzen und Reliquien, unter möglichst zahlreicher Beteiligung der Geistlichkeit, nach Wieliczka zu entsenden. Der Diktator berief die Geistlichkeit zu sich und forderte sie auf, bei der Bekehrung der blutdürstigen Bauern mitzuwirken. Die Sache schien zwar bedenklich, dennoch sagten die Geistlichen schließlich ihre Teilnahme zu, unter der Bedingung, daß Bewaffnete die Prozession begleiteten. Von einer großen Menge umgeben, zog nun die Prozession, fromme Lieder singend, um die Mittagsstunde über die Brücke nach Podgórze, wo ein mehrstündiger Halt gemacht wurde, um die dortige Bevölkerung für die Sache der Insurgenten zu begeistern. Hierauf wurde der Marsch nach Wieliczka fortgesetzt. Ein Insurgentenführer, in Bauerntracht verkleidet1), das Kreuz in der Hand, schritt an der Spitze des Zuges. Ungehindert ward an der Straße nach Wieliczka die Stelle erreicht, wo noch kurz vorher Benedek, mit seiner schwachen ’) Der Emissär Eduard D^bowski.