Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)
Hauptmann Jacubenz: Die Besetzung von Krakau 1846
Die Besetzung von Krakau 1846. 229 erklärten, daß sie einer am 24. Januar in Paris abgehaltenen Sitzung der „Emigrantenregierung” zufolge mit den Regierungsgeschäften in Krakau betraut worden seien. Die neuen Machthaber traten auch sogleich in Funktion und ließen die Beschlüsse der „neuen Regierung” in Form von Proklamationen und Manifesten bombastischen Stils erscheinen. Am 23. Februar dauerte das Geplänkel an beiden Weichselufern ohne besondere Wirkung fort. GM. Collin ließ den Grenzfluß scharf bewachen und sandte an die in Mähren sich sammelnden Verstärkungen den Befehl zur schleunigen Vorrückung. Wiewohl aber die neue Regierung in Krakau, mit ihrer Einrichtung vollauf beschäftigt, keinen Vorstoß auf österreichisches Gebiet unternahm, erschien dem österreichischen Befehlshaber nach Verlauf des Tages die allgemeine Lage dennoch so ungünstig, daß er die Räumung auch der wichtigen Stellung von Podgóráe beschloß. Zum Teil mag wohl die momentane Ermüdung der Truppen, mehr noch aber wahrscheinlich die eigene körperliche Abspannung, welche den alten Mann nach den Mühen der letzten Tage und infolge der fortgesetzten Nachtwachen befallen hatte, den General, der zu sehr besorgte, daß der Aufstand auch im Wadowicer Kreise ausbrechen und ihm dadurch der Rückzug verlegt werden könnte, bestimmt haben, jetzt zum zweiten Male ohne Kampf, somit ohne zwingenden Grund, das Feld zu räumen; denn die Knappheit der Munition und der Lebensmittel, dann die angebliche „Ausbreitung des Aufstandes in der ganzen Gegend” rechtfertigen nicht genügend einen Entschluß, der den Insurgenten den Einbruch in das westliche Galizien gestattete. Trotz ihrer Erschöpfung traten die Truppen noch um 11 Uhr nachts den Rückzug über Mogilany nach Kalwarya an und erreichten diesen Ort, 30 Kilometer von Podgorze, nach einem anstrengenden Nachtmarsch am 24. Februar. Unterwegs wurden die zur Verstärkung angerückten vier Kompagnien des Infanterieregiments Sckmeling Nr. 29 aufgenommen. Die Truppen wurden während ihres Marsches wiederholt beschossen und bei Kalwarya selbst erhielten die Vorposten von den sich zahlreicher sammelnden Insurgenten mehrere Gewehrsalven. Ein eigentlicher Angriff der Aufständischen erfolgte indes nicht, vermutlich deshalb, weil