Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)

Hauptmann Jacubenz: Die Besetzung von Krakau 1846

224 Jaeuben Der 19. Februar verlief ruhig; dennoch meldete GM.Collin, daß die Stimmung im Stadt- und Landgebiet von Krakau in hohem Grade erregt und der Ausbruch einer, wie es scheint, weitverbreiteten und gut organisierten Bewegung stündlich zu erwarten sei. Yon den drei in das Landgebiet entsendeten Kommanden erreichte Leutnant Bernd mit 25 Chevaiüegers um 5 Uhr morgens seinen Bestimmungsort Krzeszowice (25 Kilometer nordwestlich Krakau), Leutnant Kitter von Begg gleichfalls mit 25 Chevaulegers, welcher bisher denselben Weg mit Bernd hinterlegt hatte, gelangte erst gegen Mittag an sein Ziel Chrzanów (45 Kilometer westlich Krakau) und Leutnant Potakowski mit 15 Infanteristen befand sich noch auf dem Marsche nach dem 55 Kilometer von Krakau entfernten Orte Jaworzno. Im Laufe des Vormittags des 20. Februar erhielt GM. Collin in Krakau von verschiedenen Seiten die bestimmt lautende Nachricht von dem unmittelbar bevorstehenden Ausbruch eines Aufstandes in der Stadt. Von Mittag an standen daher die Truppen vorerst in ihren Quartieren und mit Einbruch der Dunkelheit am Ringplatz in strenger Bereitschaft. Die Wachen wurden verstärkt, Patrouillen in jene Stadtteile entsendet, die als Sammelpunkte der Auf­ständischen bezeichnet worden waren und alle in die Stadt führenden Landstraßen scharf überwacht. Der Tag verlief jedoch ruhig. Erst gegen 11 Uhr nachts stieß eine Patrouille der Krakauer Miliz1) auf eine Anzahl Bewaffneter, die sich der Stadt näherten. Es kam zu einem Geplänkel, wobei ein Insurgent erschossen, andere 5 bis 6 Mann aber gefangen­genommen und auf die Hauptwache gebracht wurden. Aus den weiter eingelangten Nachrichten erfuhr GM. Collin, daß die Insurgenten beabsichtigten, Schlag 4 Uhr morgens des nächsten Tages von allen Seiten aus den Häusern auf die Truppen los­zustürmen. Darum wurden die Schlagwerke der Turmuhren gesperrt und die Wachsamkeit verdoppelt. ') Die bewaffnete Macht der Republik bestand aus etwa 500 Mann zumeist ausgedienten österreichischen Soldaten; sie gliederte sich in die Miliz (2 Kompagnien), die Polizei (1 Kompagnie) und in die Gen­darmerie (50 Mann zu Pferd, 20 Mann 'zu Fuß).

Next

/
Thumbnails
Contents