Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)
Major Semek: Repressaliengefechte gegen die Montenegriner im Jahre 1838
180 Sernek. wären, hätte ihre Existenz von weiterer Unterstützung abgehangen. Allerdings stand den Truppen die sogenannte Territorialmiliz ergänzend zur Seite. Yon dieser konnte aber bei einem plötzlichen Angriff auf das Pastrovicchio nur jene aus den Landstrichen von Türkisch-Albanien bis Cattaro in Betracht kommen, aber auch hievon mußten noch die Pastrovicchianer als persönlich bedroht, zur Verteidigung ihrer Höfe, zu Nachschubsdiensten für Munition und Proviant und hauptsächlich mit Rücksicht auf die Gesetze der Blutrache, wohlweislich schon im vorhinein ausgeschaltet werden1). Die Institution der Territorialmiliz verpflichtete die Bewohner Dalmatiens, sich im Falle es die Verteidigung des Landes galt, zum Kriegsdienst zu stellen und an der Seite der k. k. Truppen zu kämpfen. Sie wurden dann nach Bedarf von der politischen Behörde aufgeboten und in Abteilungen unter nationalen Befehlshabern rangiert — trugen die eigenen Waffen und erhielten Patronen. War es irgend möglich, so suchten sich die Leute dem Aufgebot von Haus aus zu entziehen oder desertierten, zumal bei einem Kampfe gegen Montenegro mit dem viele von ihnen Bande des Blutes und des Glaubens verknüpften. Manche hatten aber auch der siegreichen Kämpfe nicht vergessen, die sie gemeinsam mit jenen gegen die Franzosen geführt. Diesen teils schwachen, teils schwankenden Kräften Österreichs — zusammen lCP/ä Kompagnien mit zirka 1700 Mann und 700 Terrieri — gegenüber verfügte Montenegro bei einer Volkszahl von 100.000 Seelen über 20.000 Kämpfer. Waren diese auch nicht an der Grenze versammelt, so konnten sie doch binnen drei bis vier Tagen vollzählig dort eintreffen. Wenn der kühne Serdar an der Grenze Pastrovicchios, der Chef der Czerniczka planina, der ungestüme Marko Plomenaz zum Streite rief und die Kriegsfahne vom Dachfirst seines Fahnenträgers weithin sichtbar im Winde flatterte, ') Auch auf die übrigen war wenig Verlaß, schon deshalb, weil sie vielfach (8000 in diesem Gebiet) Glaubensgenossen der Montenegriner waren. (R. K. M., Registr. 1888, Praes. Nr. 1400, 1401, 1402.)