Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)

Major Semek: Repressaliengefechte gegen die Montenegriner im Jahre 1838

166 S e m e L Wahl kürte das Oberhaupt des Stammes, den Glavar oder Häuptling-, freie Wahl auch jenes der Gemeinde, den Staresina (Ortsältesten). Das Haupt der Familie war der Gospodar. Er war der Verwalter aller häuslichen Angelegenheiten. Der Staresina übte das ßichteramt über die Familien der Gemeinde, der Glavar leitete die inneren Angelegenheiten. Die höchste Instanz für letztere ruhte in der Hand des für mehrere Stämme gewählten Knaz (Fürst). Dort, wo an den Grenzen Gefahr drohte, war je ein Serdar bestimmt. Er sammelte, wenn es Angriff oder Abwehr galt, rasch die waffenfähigen Männer der näheren und weiteren Umgebung als der Führer im Kampfe, bis der Vladika eintraf. Dieser war das eigentliche Oberhaupt des Staates. Ihm fiel die höchste, die priesterliche Gewalt zu. Der Vladika war Bischof — seine Weihe erhielt er in Petersburg1). Die Re­ligion Rußlands ist auch jene Montenegros. Die Würde war erblich und das Erbteil der Familie Petrovic. Die priester­liche Stellung versagte dem Vladika die Ehe, darum wurde stets der Neffe der Nachfolger des Onkels. „Sveti Gospodar” (heiliger Herr) nannte in ehrfurchtsvoller Scheu der Sohn der Schwarzen Berge seinen Vladika. Bis 1833 bestand neben dessen Stellung auch die eines weltlichen Oberhauptes, des Gouverneurs. Wohl war dieser jenem an Macht keineswegs gleich, doch blieb sein Einfluß nicht zu unterschätzen. Immerhin war er im stände die Willkür desselben zu hemmen. Dies empfand vor allem der Vladika Peter II., der nach dem Tode seines Onkels, des großen Vladika Peter I., die Herrschaft erlangt hatte. Auf die Gunst des Volkes pochend, entledigte er sich des Gouverneurs Radonic, indem er denselben 1833 des Einverständnisses mit Österreich beschuldigte. Radonic wurde verbannt, seine Güter eingezogen, sein Haus verbrannt. Er flüchtete nach Cattaro, wo Österreich ihm und seiner Familie Schutz und dauernde Unterstützung lieh. Der Vladika ver­einigte nun in seiner Person die volle geistliche und weltliche ') Peter II. wollte sich anfangs in Wien weihen lassen, doch ließen ihn die Schwierigkeiten, die man ihm machte, hievon abstehen. (Marko Fedorowitsch, Die Slaven der Türkei.)

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