Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)

Hauptmann Just: Das Herzogtum Warschau von seinen Anfängen bis zum Kampf mit Österreich 1809

Das Herzogtum Warschau. 91 torischen Anlagen regste Fürsorge1), allein der strenge Winter des Jahres 1807—1808 hatte zur Einstellung der Erd­arbeiten, die erst im Sommer fortgesetzt werden konnten, gezwungen. Überdies waren durch die stetige Geldnot der Regierung, welche den für fortifikatorische Zwecke im Budget eingestellten Betrag von 2,300.000 polnischen Gulden nicht auf bringen konnte, häufig unliebsame Verzögerungen ent­standen. Mit der Übergabe des Kommandos an den Fürsten Poniatowski fanden die Arbeiten ihr Ende, ohne zum völligen Abschluß gediehen zu sein 1 2). Den strategischen Kern des Landes umschlossen die Plätze Módiin, Sieroqk, Warschau-Praga und deshalb war auch für diese am meisten geschehen. Die Hauptstadt selbst war zu einer Verteidigung un­geeignet ; ihre Befestigungen stammten aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, waren von Kosciuszko erneuert und während des Feldzuges 1806—1807 von den Franzosen erheblich verstärkt worden. Sie bestanden jedoch nur aus Wall und Graben, die in einem Umkreis von ungefähr zwölf Kilometern die Stadt umschlossen. Die Wallmauern waren meist verfallen, die Gräben seicht und an vielen Stellen selbst für Kavallerie passierbar. Über die Weichsel hatte Davout eine 761 Meter lange, hölzerne Jochbrücke mit einem Kostenaufwand von 700.000 polnischen Gulden schlagen lassen und auf diese Weise die Verbindung mit Praga am rechten Ufer hergestellt3). Der Brückenkopf von Praga bestand in einem an der Kehle offenen Kronenwerk, welches zwar von Erde, doch mit Holz verkleidet, kasemattiert und vollkommen sturmfrei war. Demselben vorgelagert, beherrschten acht an der Kehle ge­schlossene, im Halbkreis um die Weichsel gespannte Fleschen das Vorfeld. 1) C. d. D., Tom. II, Nr. 376; 120, Nr. 416; 161, Nr. 444. 2) Mit Hecht macht Soltyk den Fürsten für dies schwerwiegende Versäumnis verantwortlich. (Rélation). 3) Fast die Hälfte der Brücke wurde am 7. Februar 1809 durch den starken Eisgang abgerissen, worauf in aller Eile durch Anlage einer Schiffbrücke die Kommunikation wieder hergestellt wurde. (Moniteur 1809, 1. März.)

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