Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)

Hauptmann Just: Das Herzogtum Warschau von seinen Anfängen bis zum Kampf mit Österreich 1809

Das Herzogtum Warschau. 83 im Herzogtum AVarschau anvertraute und ihm alle Angelegen­heiten betreffs Verteidigung der festen Plätze, Artillerie, Genie, Administration, Sanitätspflege etc. zur Entscheidung überwies v). Es war ein schwieriges und verantwortungsreiches Amt, welches der Marschall übernahm * 2 3). Mag er auch in politischer Beziehung manches verfehlt haben, die militärischen Inten­tionen seines Kaisers hat er voll erfaßt und durchgeführt. Seine Kommandoführung in Warschau, nicht frei von Härte, ließ doch Wohlwollen und Billigkeit erkennen und sicherte ihm die Zuneigung der polnischen Armee. Als Vertreter des kaiserlichen Willens war Davout in den ersten Monaten bestrebt, seine Autorität ängstlich zu wahren und schoß dabei oft über das Ziel hinaus, indem er selbst kleinliche Details des Dienstes seiner eigenen Ent­scheidung vorbehielts). Leider war der Marschall zu Beginn seiner Kommandoführung von einem ganz ungerechtfertigten Mißtrauen gegen den Fürsten Poniatowski erfüllt, trug das­selbe auch zur Schau und stärkte damit die passive Opposition der Generale D^browski und Zajqczek, wenn er auch die Harmonie zwischen denselben äußerlich hergestellt hatte4). D C. d. N. I., Tom. XV, 411, Nr. 12.897. *) „Le maréchal se trouvait dans des conditions singuliérement délicates, ayant ä contenir les Polonais sans les décourager, ä protéger le nouveau gouvernement sans trop l’accabler de sa prépotence et ä. surveiller aussi l’Autriche en Galicie;” C. d. D., Tom. II, 4, Vorrede; Vigier, Tom. I, 357: „Au moment de quitter Tilsit, l’Empereur confia á Davout un commandement semi militaire, semi politique de la plus haute importance. II avait apprécié les qualités d’administrateur du Maréchal, sa rigide probité, Pexacte discipline qu'il savait faire régner autour de lui. Toutes ces considérations le déterminérent á designer le 3° corps pour Poccupation du Grand Duché de Varsovie et & choisir son chef pour présider ä la résurrection de ce fantomé de Pologne.” 3) Als anfangs Oktober die Reise Königs von Sachsen angekündigt worden worden war, überreichte Fürst Poniatowski dem Marschall ein Programm für den militärischen Empfang des Herrschers mit dem Be­merken, er werde seinen Generalstabschef Fiszer zur Begrüßung des Königs nach Posen schicken. Davout war über diese Mitteilungen des Fürsten höchst erzürnt. Fiszer habe ohne seine Erlaubnis Warschau nicht zu verlassen, er selbst werde alle Anordnungen treffen. *) Seite 81, Fußnote 2. 6*

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