Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte der K. und K. Wehrmacht 4. (1905)

Die Artillerie - Geschicht der Organisation und Entwicklung der k. und k. Feld-Artillerie 1618-1903 - I. Das Feld-Artillerie-Corps (Haupt-Corps) 1618-1772 - A. Organisation und Entwicklung

54 hauptmann, Schultheiss oder Auditor. Unter letzterem standen der Profoss, der Profossen-Lieutenant und die Stoekknechte. Zum Stabe gehörten ferner der Ob er-Feuerwerkmeister und Ober- Petardierer (in der Hauptmanns-Charge), Quartiermeister, Feld-Caplan und die Stückjunker-Corporale (Gerichtsschreiber und Unter-Adjutant bestanden nur bis 1721). Als Parteien, Unteroffioiere und Soldaten erscheinen: Feldscherermeister, Proviantmeister, Unter-Petardierer, Jung-Feuerwerker, Brückenmeister, Weg­bereiter, Fourierschützen, Zeugschreiber, Proviantschreiber, Feldscherer- Gesellen, Büchsenmeister-Corporale, Büchsenmeister, Tamboure, Pfeifer. Die Mineur-Compagnie hatte folgende Chargen: Minier-Obrist (1675—1702 Mineur-Compagnie-Director), Minier-Hauptmann, Minier-Lieutenant, Minier­meister, Minier-Feldwebel, Minier-Corporal, Alt-Mineur, Jung-Mineur. Die Chargen der Boss-Partei waren: Ober-Wagenmeister, Ober-Geschirr­meister, Geschirrschreiber, Bossarzt, Wagenmeister, Geschirrmeister, Geschirr­knecht, Stückknecht. Beim Feld-Zeugamte erscheinen im Stabe die gleichen Stabs- und Ober- Officiers-Benennungen wie bei der Feld-Artillerie; als Parteien und Mannschaft aber: Zeugdiener zu Fuss, Pulverhüter, dann die verschiedenen Professionisten, Handlanger-Corporale, Handlanger, Wagenknechte1). Die Wachen beim Geschütze werden seit 1694 grundsätzlich durch die In­fanterie besorgt, das Artillerie-Personal diente hiebei als Inspections-Personal. Was die Anzahl und Specificierung der zur Verwendung gelangenden Geschütze betrifft, wurde diese bereits für jeden Kriegsschauplatz gegeben. Das Bestreben, Beweglichkeit und schnelle Feuerleistung bei den Geschützen zu erzielen, führte zur Einführung der Geschwind-Stücke und setzte auch im Festungskriege dem Caliber der verwendeten Stücke durch die vierand- zwanzigpfündige halbe Karthaune eine Grenze. Die Hauptbedeutung der Artillerie wurde auch nun meist in ihrer Massierung gesucht, doch finden sich die Geschütze nebstbei in der Schlacht vertheilt, so zwar, dass die Begiments- Stücke häufig in den Bataillons-Intervallen der Infanterie standen. Es wurde dann eine Haupt-Batterie gebildet, welcher die wirkungsvollste Arbeit im Kampfe zugetheilt erscheint, während die den Truppen zugewiesenen Stücke diese in ihrer Specialaufgabe unterstützen sollten. Die Aufgabe, das Gefecht einzuleiten und für das Vordringen der Truppe günstige Situationen zu schaffen oder den Gegner bis zur Vollendung des eigenen Aufmarsches fest­zuhalten, wird bereits als Zweck der Artillerie erkannt und befohlen. Hiezu sendet sie zum Beispiel Prinz Eugen mit der Cavallerie oder Infanterie vor, so bei Luzzara etc. Was die Verwendung der Artillerie in der Eugenischen Periode weiters anbelangt, so zeigt sich immer deutlicher der Grundsatz, die ‘leichten Ge­schütze in der Front des 1. und 2. Treffens einzutheilen, also als wirkliche Begiments-Geschütze, an bestimmten Punkten aber durch Formierung grosser Batterien eine hervorragende einheitliche Artilleriewirkung hervorzubringen. Dieser anfangs unausgesprochene Grundsatz war schon bei Beginn des ersten schlesischen Krieges geltende Norm und führte zur Ausscheidung einer so­genannten Keserve-Artillerie, welche nun sowohl in den Dispositionen als am Schlachtfelde erscheint. Was die Aufbringung der Artillerie betrifft, war dieselbe nun nicht mehr so schwierig wie vorher, da letztere, infolge der Fortdauer der Kriege über den Winter, nicht mehr jährlich aufgelöst wurde. Nach jedem Feldzuge erscheint die Artillerie stets in Böhmen dislociert. Die Munition wurde in bisherigerWeise meist von Privaten erzeugt und geliefert, das Pulver hauptsächlich von dem Pulvermühlen-Besitzer Enzinger bezogen, der auch den Titel eines Saliter- und Pulverwesen-Inspectors führte. Was im Bedarfsfälle von ständigen Lieferanten nicht in hinreichenden Mengen geliefert werden konnte, wurde durch Contracte mit Juden sichergestellt. Freilich war diese Sicherstellung zum Schaden der Armee meist sehr fraglich. Sehr schädigend für die Mobilisierung der Artillerie und für deren Ver­wendbarkeit erscheint der Mangel an Bespannung. Diese gröfitentheils von Haus >) Stärke der Artillerie 1731 siehe Anhang II.

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