Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte der K. und K. Wehrmacht 4. (1905)
Die Artillerie - Geschicht der Organisation und Entwicklung der k. und k. Feld-Artillerie 1618-1903 - I. Das Feld-Artillerie-Corps (Haupt-Corps) 1618-1772 - A. Organisation und Entwicklung
52 Der Schaden, welchen die Artillerie hiebei an Geschützen erlitt, war begreiflicherweise bedeutend, denn durch den Verlust der Bespannung war es nicht möglich, die Geschütze zu retten und so fielen von den vorhandenen 40 Geschützen 16 dreipfündige Stücke, 1 Haubitze, 10 Munitionskarren, 1 Kugelwagen in die Hände des Gegners. Diese Verluste wurden vom Hofkriegsrathe durch Zusendung von 16 dreipfündigen Stücken, dann durch Heranziehung 1 zwölfpfündigen Haubitze und von 4 Regiments-Stücken aus Brünn gedeckt. Bezüglich der Artillerie-Ausrüstung der Armee in Bayern ist Folgendes zu bemerken: Die Stückzahl, welche mit Ende 1741 dem gegen Bayern und zur Rückeroberung Ober-Oesterreichs designierten Feldmarschall Khevenhüller zu Gebote stand, war äusserst gering. Ihre Höhe ist nicht ersichtlich, dürfte aber zwölf Geschütze nicht überstiegen haben. Ihre Aufgabe war, bei der Forcierung der Enns-Linie mitzuwirken. Entgegen der allgemeinen Erwartung gelang diese auch ohne Kampf. Commandant dieser Artillerie war Hauptmann Cea. Die Geschütze wurden in Regiments-Geschütze und solche bei der Reserve eingetheilt, erstere standen bei den Regimentern, letztere an den wichtigsten Punkten der Schlachtlinie. Gelegentlich der Belagerung von Linz erhielt die Armee 1741 vorübergehend auch schwere Artillerie beigegeben. Das Ausmass derselben ist nicht bekannt. Für 1742 war die Dotierung der Armee Khevenhüllers mit Artillerie folgende: Bei der 1. Colonne 6 Geschütze, bei der Colonne Wallis 6 Geschütze, bei der 3. Colonne 4 Geschütze. Die Tete hatte 2 Geschütze; 5 Geschütze waren unter Pälffy. Hiezu kamen im Verlaufe des Feldzuges zur Besetzung Münchens aus Tyrol 4 Kanonen und 2 Mörser. Commandant der Artillerie war Obristlieutenant Pichel. Umfassender und weitgreifender war die Ausrüstung an Artillerie für 1743. In diesem Jahre wmrden 54 Geschütze für die Armee in Bayern bestimmt. Nachdem ein Theil derselben schon unter Obrist Pichel vorausgegangen war, folgte GFWM.Feuerstein, als Commandant dieser Artillerie, mit dem grösseren Reste derselben nach. Im ganzen standen 32 Regiments-Stücke, 8 dreipfündige Feldschlangen, 6 Falkaunen, 4 zwölfpfündige Haubitzen bei der Armee. Ferner waren 2 dreipfündige und 2 zweipfündige Stücke den Warasdinern beigegeben. Ausser diesen Feld-Stücken war für Bayern auch eine Belagerungs- Artillerie mit 8 halben Karthaunen, 2 grossen Mörsern zu 60 Pfund, 9 kleinen Mörsern zu 10 Pfund bestimmt. Die Regiments-Stücke theilte Khevenhüller von Haus aus den Regimentern zu1). Zum Schlüsse dieser Periode wird es nothwendig, eine Vermehrung zu erwähnen, welche die Artillerie von aussenher erhielt. Diese Vermehrung erfolgte bei der Angliederung der Niederlande und der Lombardié an die Monarchie. In beiden Provinzen bestand schon unter spanischer Herrschaft eine eigene National-Artillerie, die nun in österreichische Dienste übernommen, einen Theil der Gesammt-Artillerie bildete. Doch erhielt nur die niederländische Artillerie in der Folge Verwendung und Bedeutung. Die Artillerie theilte sich nun weiterhin in das Feld-Artillerie-Haupt-Corps (früher Feld-Artillerie-Corps) und die National-Artillerie-Abtheilungen in der Lombardié und den Niederlanden. Die Niederländische National-Artillerie fand theils im Felde, theils in den festen Plätzen Verwendung. Sie bestand bis 1742 ohne fixierten Verband, wurde 1742 unter Commando des Hauptmanns Miller in eine Compagnie formiert und besass damals eine Stärke von 184 Mann. Hievon wurden 85 Mann in festen Plätzen gebraucht. Nach dem Aachner Frieden bestand sie unter Commando des Obristlieutenants Chevalier de Franitzen, aus: 1 Obristlieutenant, 1 Aumonier, 1 Capitain-Lieutenant (attachiert), 1 Munitionaire, 1 Stückjunker, 1 Pontons- Lieutenant, 1 Quartiermeister, dann 5 alten, 8 jungen Feuerwerkern, i) i) Ueber die Artillerie-Ausrüstungen 1744 sielie Anhang Ia, b.