Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte der K. und K. Wehrmacht 4. (1905)

Die Artillerie - Organisation und Entwicklung des Feld-Zeugamtes 1772-1850

254 Bald nach 1819 erfolgte eine Scheidung in Haupt- und Neben-Posten und dabei eine Vermehrung an Posten überhaupt. Es bestanden ausser den Haupt-Posten Wien, Budweis, Prag, Brünn, Olmütz, Lemberg, Pest, Graz, Verona die Neben-Posten zu Carlsburg, Temesvár, Peterwardein, Esseg, Carlstadt, Zara, Triest, Innsbruck, Mainz. Ausserdem erscheinen nun Filialen. So jene in Mailand, welche von Verona dependierte, woselbst ein mobiles Feld-Zeugamts-Detachement für das in Italien aufgestellte mobile Truppen-Corps errichtet war, dann jene in Linz und Salzburg. Diese letzteren, an Budweis gewiesen, wurden von der Garnisons- Artillerie nur verwaltet, während die übrigen Neben-Posten oder „Feld-Depots” und die Filiale Mainz bezüglich der Verwaltung und Verrechnung der Garnisons- Artillerie unterstanden, welche die erforderlichen Gelder vom Feld-Zeug­amte fasste. Hiedurch waren die betreffenden Garnisons-Artillerie-Commandanten bezüglich der Feld-Ausrüstungs-Angelegenheiten ebenso wie die Commandanten der Feld-Zeugamts-Hauptposten (Feldzeugamts-Posten genannt) an das Feld- Zeugamts-Commando gewiesen, in allen übrigen Angelegenheiten blieben sie ihrem Districts-Commando unterstellt. Eine Anordnung, die auch heute noch ihre Analoga findet. Mit der Vermehrung der Postenzahl durch die Aufstellung der an­geführten Neben-Posten oder Feld-Depots, musste auch eine solche des Personals erfolgen, das in den Stab, das Artillerie-Personal und das Zeugs-Personal gegliedert erscheint. Der Stab war gebildet aus: 1 Commandanten, 1 Adjutanten, 1 Rech­nungsführer, 1 Chefarzt, 2 Unterärzten, 3 Fourieren, 3 Privatdienern. Die früher daselbst eingetheilt gewesenen Zeugwarte und Munitionäre erscheinen nun beim Zeugs-Personal. Das Artillerie- und Zeugamts-Personal bestand aus: 7 Hauptleuten (eventuell 2 Capitän-Lieutenants), 6 Ober- und 10 Unterlieutenants, 8 Ober-, 9 Unter-Zeugwarten, 45 Munitionären, 1 Brückenmeister, 8 Ober-, 51 Unter­meistern, 218 Gesellen, 12 Handlanger-Corporalen, 57 Handlanger-Gemeinen, 7 Fourierschützen, 33 Privatdienern1). Die Vertheilung des feldzeugämtlichen Personals blieb während der Zeit von 1772—1850 insoferne fast ungeändert, als dieselbe von Haus aus für die jeweilig bestehenden Posten nach deren Grösse und Bedeutung erfolgt war, nach Factoren also, die keinen Wechsel erfuhren. Die grösseren Posten als Budweis, Prag, Verona etc. erhielten Haupt­leute, die übrigen einen Subaltern-Officier, die kleineren nur Ober- und Unter- Zeugwarte zu Commandanten2). Waren bei einem Posten mehrere Officiere eingetheilt, so konnten die­selben auch unter Aufsicht des Commandanten die Gebäude und die Artillerie- Vorräthe verwalten, die Uebemahmen und Ausgaben besorgen, Erzeugungen und Arbeiten leiten. Die Mannschaft unterstand ihnen in diesem Falle wie einem Compagnie-Officier. Den Zeugwarten oblagen die Rechnungsgeschäfte. Sie fungierten als Rechnungsführer ihres Postens. Esseg: in den Festungswerken beim Dorfe Bellinc; in Syrmien, Posten Peterwardein: in den Festungswerken; in Siebenbürgen, Posten Carlsburg: in den Festungswerken und im Zeughaus; in Galizien, Posten Lemberg: im Zeughaus beim Orte Podanovka; in Steyer- mark, Posten Graz: am Lazarethfeld, vor dem Paulus-Thor, am Karmeliterplatz; in Italien. Posten Verona: im Artillerie-Arsenale und an der Etsch, circa l1/* Stunden entfernt. Das Feld-Zeugamt hatte ferner auch die Uebungs- und Lagerplätze für die Regi­menter und das Bombardier-Corps in Evidenz. Und zwar: für das 2. Regiment und das Bombardier-Corps (Wien) : auf der Simmeringer Heide und bei Ebersdorf; für das 1. Regiment (Prag): die Plätze zwischen Bubenc und Holleschowitz; für das 3. Regiment (Olmütz): das Terrain in der Gegend von Nimlau bis Olmütz; für das 4. Regiment (Budweis) : das Terrain zwischen Ledenitz und Zallin; für das 5. Regiment (Pest): den Platz auf dem Pester Hotter zwischen Pest und Keresztúr. Die hauptsächlichsten Arbeiten, welche in den einzelnen Posten vorgenommen wurden, waren in Prag, Olmütz, Pest und Verona: Reparaturen an Geschütz und Munitions-Fuhrwerk und für das Artillerie-Exercieren, Arbeiten in den Laboratorien, Neuerzeugung von Geschütz-Montierung und Fuhrwerken. In Brünn, Graz, Lemberg und Carlsburg nur Reparaturen. In Wien Reparaturen und Neu­erzeugung. J) Ausweis des Feld-Zeugamtes 1847 und 1849. Anhang X und XI. 2) Dies und das Folgende aus: Kriegs Verfassung Oesterreichs” von Franz Berg­mayr, § 171.

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