Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte der K. und K. Wehrmacht 4. (1905)
Die Artillerie - Organisation und Entwicklung des Feld-Zeugamtes 1772-1850
246 B. Extra-Chargen: 1 Professor matheseos, 2 Ober-Feuerwerkmeister, 1 Medicináé Doctor. C. Zeugamts-Personen: 3 Ober-, 3 Unter-Zeugwarte, 41 Munitionäre, 1 Feldscherer, 1 Brückenmeister, 1 Bindermeister mit 1 Gesellen, 2 Schlossermeister mit 4 Gesellen, 2 Ober-, 5 Unter-Schmiedemeister mit 12 Gesellen, 2 Ober-, 5 Unter-Wagnermeister mit 12 Gesellen, 1 Tischlermeister mit 2 Gesellen, 1 Drechsler, 2 Biemermeister mit 4 Gesellen, 2 Sattlermeister mit 4 Gesellen, 1 Zimmermeister mit 3 Gesellen, 4 Handlanger-Corporale, 12 Handlanger. Dieser Friedens-Stand wurde im Kriege bedeutend erhöht, da bei jeder Armee oder jedem selbständigen Corps und Belagerungs-Park ein entsprechend starkes Detachement des Feld-Zeugamtes zur Vornahme der Reparaturen an Geschützen und Fuhrwerken, zur Ergänzung der Munition der Truppen, Artillerie-Reserven und Depots, häufig auch zur Elaborierung der Munition in den Feld-Depots, eingetheilt werden musste. Ueber die Gebahrung und Verwaltung hatte der Officier, welcher das Detachement befehligte, Rechnung zu legen. Diese Vermehrung war schon in der Organisation vor 1772 berücksichtigt, die den Kriegs-Stand des Feld-Zeugamtes mit 259 gegenüber dem Friedens-Stande von 114 Personen festsetzte; derselbe war aber kein unveränderlicher, sondern richtete sich in den folgenden Feldzugsjahren nach der Zahl der aufgestellten Armeen und den besonderen Verhältnissen der wechselnden Kriegsschauplätze. Als erster Aufstellungsort des Feld-Zeugamtes war Budweis bestimmt. Der Commandant des Feld-Zeugamtes wurde dem Stande des 2. Artillerie- Regiments entnommen. Er war in militärischen Angelegenheiten dem General- Feld- und Garnisons-Artillerie-Commandanten1), in ökonomischer Hinsicht dem Haupt-Feld-Artillerie- und Haus-Zeugamt untergeordnet. Er blieb beständig beim Feld-Zeugamte, während die anderen Offieiere des Stabes, aus dem Stande der drei Regimenter, wenigstens alle halben Jahre wechseln sollten, um ein möglichst zahlreiches Personal für den Zeugsdienst heranzubilden. Der Commandant und alle übrigen Offieiere wurden beim Zeugamte nur als Zugetheilte geführt. "Waren grössere oder dringende Arbeiten nöthig, so konnten, über Verlangen des Commandanten, Unterofficiere und Kanoniere der Regimenter zum Feld-Zeugamte commandiert werden. Die Personen, welche zum eigentlichen Zeugswesen gehörten, also alle vom Ober-Zeugwart angefangen, hatten bisher keinen Officiersrang, wenngleich sie wie die Auditore den Officierstitel erhalten konnten. Mit der Organisation von 1772 erhielten die Ober-Feuerwerkmeister ältesten Capitän-Lieutenants-Rang bei der Artillerie2), bei der Armee aber rangierten sie mit den Gleichgestellten nach dem Tage der Beförderung. Die Ober-Zeugwarte erhielten Oberlieutenants-, die Unter-Zeugwarte Unterlieutenants-, die Munitionäre Bombardiers-, die Ober-Handwerksmeister Feldwebels-, die Handwerksmeister Kanonier-Corporals-, die Gesellen Kanoniers-Rang.. Die in ständigem Solde befindlichen Handwerksleute erhielten Montur, Service und Quartier. Handwerksleute konnten recrutiert werden, jedoch ohne Werbegeld. Das Jus gladii über das Feld-Zeugamt übte der General-Artillerie- Director entweder selbst aus oder übertrug es nach Belieben einem der drei Regiments-Commandanten: im ersteren Falle w'urde der Process dennoch bei jenem Regimente geführt, dem der Commandant des Feld-Zeugamtes angehörte. Die mit 1772 festgesetzte Untertheilung des Standes blieb nicht lange aufrecht, indem einzelne Personen, welche anfänglich dem allgemeinen Zeugs- Personal angehörten, ebenso wie die Extra-Chargen nun in den Stab versetzt wurden, so die Ober- und Unter-Zeugwarte, Munitionäre, der Feldscherer und Brückenmeister. Die Garnisons-Artillerie hatte das Commando über alle Zeugämter, das Haupt- Artillerie- und Haus-Artillerie-Zeugamt die Ober-Direction. 2) Artillerie-System 1772 (K. A., H. K. R. 1772 , 6 - 326).