Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte der K. und K. Wehrmacht 4. (1905)

Die Artillerie - Organisation und Entwicklung der Gebirgs-Artillerie - I. Gebirgs-Batterien 1793-1890

I. Gebirgs-Batterien 1793—1890. Bereits gelegentlich der Schilderung jener Grundsätze, welche für die Artillerie-Ausrüstung jeweilig massgebend waren, wurde erwähnt, dass sich diese auch nach der Configuration des Landes richtete, in welchem die Armee oder ein Corps etc. operieren sollte. Je schwieriger die Terrainverhältnisse waren, um so leichtere Geschütze wurden gewählt. Man war daher auch nicht veranlasst, in der Bezeichnung der Geschütze zwischen einem Feld-Geschütz im engeren Sinne und einem Gebirgs-Geschütz zu unterscheiden. Mit der Prävalenz des Sechspfünders als Feld-Geschütz, die nach dem Jahre 1809 immer deutlicher hervortrat und ihren Grund einerseits in dessen grösserer Wirkungs­fähigkeit, andererseits in der Formierung der Brigade-Artillerie hatte1), ver­schwand der Dreipfünder immer mehr aus der Reihe der Feld-Geschütze und wurde nur zuweilen als Aushilfe statt der Cavallerie-Geschütze gebraucht, sonst aber ausschliesslich für den Gebirgskrieg bestimmt. Neben dem Dreipfünder fungierten mit gleicher Bestimmung wie dieser auch einpfündige Kanonen* 2). Erst die Kriege gegen die französische Republik, deren Schauplätze so oft Nord-Italien, Tyrol und die Alpenländer waren, erweckten das Bedürfnis nach einem Geschütz, welches sich nicht nur durch Leichtigkeit, sondern auch durch eine gesteigerte Transportfähigkeit charakterisieren sollte. Diesem Bedürfnisse entsprechend, wurde 1793 probeweise die piemon- tesische Gebirgs-Kanone eingeführt, welcher schon die Idee eines eigentlichen Gebirgs-Geschützes zu gründe liegt. Dieses Geschütz war ein Vierpfünder. Vier solche Geschütze bildeten eine Batterie. Mit Rücksicht darauf, dass im Gebirge neben dem Schüsse auch der Wurf von hoher Bedeutung ist, waren dieser Batterie auch 2 Cöhorn-Mörser beigegeben. Schon im folgenden Jahre versuchte man auch Ein- und Dreipfünder als Gebirgs-Geschütze zu adaptieren. Hiebei wurden die Kanonen, Lafetten und die Munition von Maulthieren getragen3). Die Fortschritte der Raketen-Waffe liessen sowohl mit Rücksicht auf den leichten Transport der Raketen-Geschütze, als auch auf den geringen Raum, dessen sie zur Aufstellung bedurften, das Bestreben nach einem Rohr- Geschütz für den Gebirgskrieg mehr in den Hintergrund treten. Ganz liess man die Verwendung desselben aber nicht aus dem Auge und 1842 entschied man sich dafür, neben dem Dreipfünder eine leichte Haubitze für diesen Zweck zu construieren. Diese Haubitze war nach dem Eisen-Caliber der zwölf- pfündigen Kanone construiert. Sie hatte eine zusammenlegbare Lafette und konnte bei guten Wegen auch mit Hilfe einer Gabeldeichsel geführt werden. Sonst wurde sie gleich der Lafette und Munition von Tragthieren fortgebracht4). x) Dadurch, dass die Regimenter keine Artillerie mehr hatten, entfiel der Zwang, die kleinsten und leichtesten Caliber, also solche, welche jeder Bewegung der Bataillone möglichst folgen konnten, in die Ausrüstung einzustellen. 2) Solche waren auch 1757 bei der Armee und zwar 34 einpfündige Stücke; dann 1806 bei der Reserve-Artillerie in Tyrol 12 Einpfiinder etc. 3) Die Idee und die Thatsache, dass Geschütze und Munition von Pferden oder Maulthieren getragen wurden, ist nicht neu und wurde schon vorher aber nur fallweise, angewendet. 4) Dolleczek, 832.

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