Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte der K. und K. Wehrmacht 4. (1905)
Die Artillerie - Organisation und Entwicklung des Raketeur- und Gebirgs-Artillerie-Regiments 1817-1865 - B. Entwicklung
200 Die 1. Feld-Compagnie blieb ebenfalls bestehen und nahm den neuen Kriegs-Stand an1), die 2. formierte mit ihren bisherigen Gebirgs-Batterien Nr. 4 und 2 die neuen Nummern 2 und 6 und completierte die Gebirgs- Batterien Nr. 1, 3, 4, 5 ; die Gebirgs-Batterie Nr. 3 dieser Compagnie wurde aufgelöst, die 3. Compagnie blieb bestehen, die 4. wurde zur Depot-Compagnie2). Schon der stete Wechsel in der Organisation des Raketeur-Regiments zeigt, dass die Raketen-Waffe sich überlebt, dass man sich aber nicht ent- schliessen konnte, sie sofort aufzugeben, sondern sie erst durch Neu-Organi- sation und durch Beigabe von Rohr-Geschützen nutzbar zu machen trachtete. Der begreifliche Schluss dieser fortgesetzten Organisations-Aenderungen war die im Jahre 1864 erfolgte Auflösung des Raketeur- und Gebirgs-Artillerie- Regiments, welche mit Allerhöchster Entschliessung vom 16. December d. J. erfolgte3). Hiezu wurde der Stab des Regiments aufgelöst, die Errichtung einer 9. Raketen-Batterie anbefohlen und mit 31. December 1864 die Raketen - Batterien in die Feld-Artillerie-Regimenter 1, 2, 3, 4, 5, 7, 8, 9, 10 eingetheilt4). Diese Batterien erhielten daselbst die Nummer 11. Für den Frieden wurden aus den 6 bestehenden 4 Gebirgs-Batterien mit den Nr. 1, 3, 5, 7 aufgestellt, welche im Kriege um 4 weitere mit den Nr. 2, 4. 6, 8 vermehrt werden sollten. Die Batterien Nr. 1 und 3 kamen zum 5. Feld-Artillerie-Regimente, jene Nr. 5 und 7 beim Küsten-Artillerie-Regimente und zwar hei dem 2. in Dalmatien befindlichen Bataillon in Stand. Es hatte sonach im Felde das 5. Regiment 4, jedes der genannten Bataillone 2 Gebirgs-Batterien aufzustellen. Die Bezeichnung „Raketeur” wurde in „Kanonier” geändert. Im Kriege blieb die Bestimmung aufrecht, dass von jeder Gebirgs- Batterie 16 Mann, von jenen Nr. 1, 3, 5, 7 auch 1 Lieutenant beim Munitions- Park einzutheilen sind. Die Durchführung der Auflösung geschah mit 1. März 1865 in folgender Weise 6): Die Gebirgs-Batterien Nr. 1, 2, 4, 6 kamen zum Küsten-Regimente als Friedens-Batterien Nr. 5 und 7. Die Gebirgs-Batterien Nr. 3, 5, 11, 12 wurden ganz aufgelöst. Die Gebirgs-Batterie Nr. 7 kam zum 10. Artillerie-Regimente als Raketen- Batterie Nr. 11 (jene Nr. 8 war nicht aufgestellt, da jene Nr. 7 am Friedens- Fusse stand). Die Gebirgs-Batterien Nr. 9 und 10, 13 und 14 kamen zum 5. Artillerie- Regimente als Friedens-Batterien Nr. 1 und 3. Die beiden Feld-Compagnien und die Depot-Compagnie erhielt das 6. Artillerie-Regiment als Festungs-Compagnien6). Das Detachement der Depot-Compagnie für Carlsburg trat in den Stand des 10. Artillerie-Regiments, jenes in Dalmatien in jenen des Küsten-Artillerie- Regiments. Die Schule wurde gleichfalls aufgelöst, die Schüler kamen in die Schulen der Artillerie-Regimenter. Die Gerichtsacte übernahm das Landes-General-Commando Wien. Mit dem Jahre 1867 wurde durch die Allerhöchste Entschliessung vom 24. März die Raketen-Waffe ganz aufgelassen, die Raketen-Batterien der Regimenter in achtpfündige Rohr-Batterien umgevvandelt. B. Entwicklung. Schon 1815 "wurden, wie erwähnt, versuchsweise zwei Raketen-Batterien zur Belagerung von Hüningen ausgerüstet. Dieselben bestanden aus 12 Belagerungs-Lafetten, 24 tragbaren Lafetten und 18 Munitionskarren. Die zugehörigen Raketen waren zwei-, drei- und vierzöllige. x) War bei der Armee im lombardiscb-venetianischen Königreiclié. 2) Weitere Details siehe Geschichte des Regiments. 3) N. Y. Bl. 31. Stück vom 31. December 1864. 4) Organisation von 1864, K. AI., Praes. Nr. 4623. 5) R. K. AI., Registratur 1865, Abth. 7, Nr. 93. 6) R. K. AI., Registratur 1865, Abth. 7. Nr. 93.