Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 3. (Dritte Folge, 1904)

Eine Denkschrift des FM. Max Freiherrn von Wimpffen aus dem Jahre 1809

46 Wimpffen. Unter Einheit des Kommandos verstehe ich auch Einheit des Kates. Mehrere Ratgeber erzeugen Unentschlossenheit, denn es ist leichter einen guten Kat zu erteilen als aus mehreren Ratschlägen zu beurteilen, welcher der beste sei. Die Einheit des Kommandos hat sich auch auf das Administrative der Armee zu erstrecken, hiezu ist das Armee­generalkommando aufgestellt, an solches müssen auch alle detachierten Korps im Ökonomischmilitärischen angewiesen bleiben; die Verrichtungen des Armeegeneralkommandos be­greifen die wichtigen Zweige der Verpflegung, Montierung, Ausrüstung, Vollzähligmachung, überhaupt die Erhaltung der Armee in sich. Dieses kann nicht von einem entfernten, bei der Annäherung der Gefahr sich wegbegebenden Hofkriegsrat besorgt werden; die möglichste Ausdehnung der Vollmachten des Armeegeneralkommandos und dessen selbständige Wirkung, in allen nur einigermaßen dringenden Fällen, in genauer Ver­bindung mit dem, nur dem Armeegeneralkommando bekannt sein könnenden Gang der Operationen und Bedürfnisse der Armee, gehört auch zur Einheit des Kommandos. 2. Der Verfall der Disziplin unter der Generalität ist das größte Übel, welches eine Armee treffen kann. Dieser besteht in einem sehr hohen Grade und es ist zu befürchten, daß unter einem kommandierenden Generalen, der nicht der Bruder des Kaisers ist, nicht die Gewohnheit des Kommandos, einen großen Ruf und erfochtene bedeutende Siege für sich hat, die Willkür der Handlungsweise der Generale umsomehr zu­nehmen wird, als die Vollmachten des neuen Kommandierenden weit unter jenen des vorigen stehen. Es ist ein großer Unterschied, wenn ein kommandierender General aus eigener Kraft belohnen und bestrafen kann als wenn er beides erst bei dem Throne, der oft mit Freunden und Feinden des Kommandierenden und des Beklagten um­geben, das Ansuchen stellen muß. Auch ist die augenblickliche Wirkung verfehlt, auf die im Kriege alles ankommt. Über­haupt aber herrschen in dem Geiste der Disziplin der Armee zwei Hauptgebrechen, nämlich: Daß man ihre strenge Hand­habung von unten statt von oben anfängt und daß kleine Fehler mit unverhältnismäßiger Schärfe und große beinahe gar nicht geahndet werden.

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