Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 3. (Dritte Folge, 1904)

Eine Denkschrift des FM. Max Freiherrn von Wimpffen aus dem Jahre 1809

Eine Denkschrift aus dem Jahre 1809. 43 Die Ungewißheit ihres Erfolges, die Vergleichung der ungleichen Mittel, die unseren Gegnern zu Gebote standen und das Mißlingen aller politischen und militärischen Kalküle, die einzig auf die ersten Erfolge unserer Waffen in diesem Kriege basiert waren, bewogen den Generalissimus, E. M. nunmehr zu raten, mit dem französischen Kaiser Friedens Verhandlungen anzuknüpfen, als seine Sprache in allen Gelegenheiten seit der Schlacht bei Aspern den Wunsch einer Annäherung verriet. Er sprach nicht mehr von Aufhebung der Dynastie, er gab E. M. und den Prinzen Ihres Hauses die ihnen ge­bührenden Titel, er trug Auswechslung der Gefangenen an, ließ das Bombardement aufPreßburg nach unserem Wunsche einstellen und versicherte den Erzherzog Karl schriftlich und beinahe ohne Veranlassung, einer sechsjährigen, ununter­brochenen Achtung seiner großen Eigenschaften wegen. Allein E. M. Ministerium, verblendet durch den Sieg bei Aspern, wollte diesen Wink der Vorsehung nicht fassen und arbeitete noch immer auf seiner ersten Basis fort, un­geachtet solche schon lange zertrümmert war, ungeachtet Polen und Bussen unaufhaltsam in Galizien vordrangen, erstere einen Bevolutionskrieg und letztere jenen unerklärten, aber doch wirkenden Feind spielten — zwei der allergefähr­lichsten Kriegsgattungen. Kur erst sehr spät, und zwar zwei Tage vor der Schlacht bei Wagram, wurde General Weißenwolf mit einem vaguen, mündlichen Kompliment an den französischen Kaiser ab­geschickt. Er hatte damals seine unermeßlichen Anstalten zu dieser bevorstehenden großen Schlacht schon vollendet und er mußte in dieser Sendung entweder List oder Schwäche suchen, beides durfte ihn von dem beschlossenen Angriff nicht zurück­halten, beides war ein Beweggrund mehr, ihn schnell aus­zuführen. Die Schlacht erfolgte. Eine Übermacht von 70.000 Mann und das Nichtanlangen des Korps des Erzherzogs Johann verscheuchte jede Hoff­nung des Sieges. Die Bettung der Ehre E. M. Waffen war das einzige, was dem weisen Feldherrn in dieser Lage er­

Next

/
Thumbnails
Contents