Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 3. (Dritte Folge, 1904)

Hauptmann Veltzé: Aus den Tagen von Pordenone und Sacile. Die österreichische Offensive in Italien 1809 (10. bis 30. April) - Vorrücken der Österreicher bis an den Tagliamento - Forcierung des Isonzo

154 V e 1 t z ó. Das Unternehmen drohte ganz zu scheitern, da die Franzosen die Brücke über den Fluß abgebrochen hatten und die zum Übersetzen der Truppen notwendigen Pontons noch nicht eingetroffen waren. Ein Brückenschlag war angesichts des Gegners, welcher am jenseitigen Ufer einen steinernen, zur Verteidigung her­gerichteten Turm besetzt hieltl), nicht möglich, an ein Durch­waten konnte aber nicht gedacht werden, da die anhaltenden Regengüsse der letzten Tage und die reichen Schneefälle im Gebirge den Isonzo in einen mächtigen Strom verwandelt hatten. Vergebens hatte der österreichische Kommandant schon einen Preis von 100 Dukaten jenem zugesprochen, der in der Lage sei, eine Furt über das reißende Gewässer anzugeben. Hauptmann Faverge2) des Infanterieregiments Franz Karl hatte sich trotzdem erboten, mit 50 Mann das Wagestück auf eigene Faust zu versuchen und es gelang seiner Über­redungskunst, zwei ortskundige Leute, einen Studenten und einen Fischer, zu bestimmen, ihn zu führen; Oberleutnant Cserghö3) schloß sich der Expedition an4). Gegen 10 Uhr abends setzte sich, bei sturmartigem Wind, die kleine Schar in Bewegung und gelangte, geschützt durch das Dunkel der Nacht, teils schwimmend, teils watend an das jenseitige Ufer, gerade gegenüber von Podgora; zwei Mann hatte die Strömung verschlungen. Der ahnungslose feindliche Posten wurde überrumpelt und entwaffnet, der Turm besetzt. Nun erst konnten die Arbeiten für den Brückenschlag beginnen, welche infolge der äußerst ungünstigen Verhältnisse über 5 Stunden währten; während dieser ganzen Zeit be­hauptete Faverge, ohne jede Unterstützung, seine Stellung gegen die wiederholten Versuche der Franzosen, sich dieses Postens wieder zu bemächtigen. Gegen Morgengrauen war die Brücke soweit in stand gesetzt, daß Infanterieabteilungen sie in Reihen passieren *) Hirtenfeld, Der Militär-Maria Theresienorden: „Faverge”. 2) Heinrich Graf Faverge, gest. 1839 als piemontesischer General­leutnant (Ritterkreuz des MMTO. 1809 für Görz). 3) Leopold Cserghö, desselben Regiments. 4) K. A., F. A. 1809, 9. Korps, IV, 17; Ital., IV, 36.

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